US-Angriffe treffen Irak-Milizen
Die USA haben ihre Angriffe im Nahen Osten auf den Irak ausgeweitet und dort gemeinsam mit Saudi-Arabien Stellungen proiranischer Milizen bombardiert. Laut PMF wurden dabei mindestens 20 Kämpfer getötet, Bagdad spricht von einer Verletzung seiner Souveränität.

Die Spannungen im Nahen Osten spitzen sich weiter zu: Während es in der Nacht auf Donnerstag erneut US-Angriffe im Iran gab, weitete Washington seine Militärschläge auch auf den Irak aus. Gemeinsam mit Saudi-Arabien wurden dort am Mittwoch Stellungen proiranischer Milizen bombardiert. Nach Angaben der Schirmorganisation Hadsched al-Schaabi, auch als PMF bekannt, kamen dabei mindestens 20 Kämpfer ums Leben.
Bagdad protestiert gegen die Angriffe
Das US-Regionalkommando Centcom erklärte, Ziel seien „mit dem Iran verbündete Terroristen“ gewesen. Die Milizen im Irak seien von der iranischen Revolutionsgarde angewiesen worden, US-Truppen und die saudische Energieinfrastruktur anzugreifen. Demnach habe es zuletzt mehr als zwei Dutzend Drohnenattacken gegeben. Laut der „New York Times“ bekannte sich jedoch keine Miliz öffentlich zu diesen Angriffen.
Aus Bagdad kam scharfe Kritik: Der Irak bezeichnete die Luftschläge als eklatante Verletzung der Souveränität. US-Präsident Donald Trump hatte zwar erklärt, die nächtlichen Angriffe seien mit der irakischen Regierung abgestimmt gewesen. Diese Darstellung wurde von Bagdad jedoch zurückgewiesen. Zudem drohte eine weitere proiranische Gruppierung, der Islamische Widerstand im Irak, der US-saudischen Koalition mit Vergeltung.
Milizen mit langer Geschichte im Irak
Die Lage ist auch deshalb so heikel, weil es im Irak seit dem US-Einmarsch 2003 zahlreiche bewaffnete Gruppen gibt. Das Land unterhält sowohl enge Beziehungen zu den USA als auch zum Iran und gerät dadurch immer wieder zwischen die Fronten. Viele dieser Milizen kämpften einst gegen die US-Besatzung, spielten später aber auch eine wichtige Rolle im Krieg gegen die Terrormiliz IS.
- Die PMF wurden 2014 im Kampf gegen den IS gegründet.
- 2016 wurden sie per Gesetz in die irakischen Streitkräfte integriert.
- Heute umfassen sie laut Quelle schätzungsweise 50 bis 70 Untergruppen.
Offiziell gehören die PMF zwar zur irakischen Armee, agieren aber weiterhin mit erheblicher Eigenständigkeit. Ausgebildet wurden viele Kämpfer von Iranern. Eine zentrale Figur im Hintergrund war der iranische General Kassem Soleimani, der 2020 bei einem US-Drohnenangriff im Irak getötet wurde. Heute gelten die PMF als wichtiger Baustein von Teherans regionalem Einflussnetz.