Tusk warnt vor Ukraine-Hass
Polens Premier Donald Tusk schlägt Alarm: Nach mehreren Angriffen auf Ukrainer in Polen fordert er ein hartes Vorgehen gegen gewalttätige Extremisten. Allein im ersten Halbjahr wurden laut Polizei 180 Hassdelikte angezeigt.

Donald Tusk hat nach mehreren Übergriffen auf Ukrainer in Polen ungewöhnlich scharf reagiert. Vor einer Kabinettssitzung in Warschau kündigte der polnische Premier an, mit aller Härte gegen gewalttätige Täter vorzugehen. Anlass war ein brutaler Angriff in Wroclaw, bei dem drei polnische Männer am vergangenen Sonntag einen jungen Ukrainer und dessen Freundin auf offener Straße attackierten.
Auslöser des Streits war laut Bericht der ukrainische Akzent des Paares. Auf Videos ist zu sehen, wie auf den Mann noch eingetreten wird, als er bereits am Boden liegt. Auch die Frau wurde verletzt. Die Polizei griff schnell ein: Zwei der bereits vorbestraften Verdächtigen sitzen in Untersuchungshaft, nach dem dritten wird weiter gesucht.
Angst vor Schaden für Polens Ruf
Tusk warnte, solche Taten könnten das Bild Polens im Ausland massiv beschädigen. Das Land hatte sich seit dem russischen Großangriff auf die Ukraine 2022 international den Ruf erworben, besonders hilfsbereit zu sein. Polen leistete militärische und humanitäre Unterstützung und nahm mehr als eine Million Kriegsflüchtlinge auf. Zurzeit leben dort etwa 1,5 Millionen Ukrainer, viele von ihnen arbeiten und zahlen Steuern.
Doch die Stimmung hat sich spürbar verändert. Immer häufiger kommt es im Alltag zu Beschimpfungen und körperlichen Attacken. Genannt werden unter anderem Vorfälle auf einer Baustelle bei Krakau, in einem Zug bei Warschau und in einem Bus in Bielsko-Biala. Auch Kinder und Schüler wurden laut Bericht bereits Ziel solcher Feindseligkeiten.
Zahl der Delikte steigt deutlich
- In den ersten sechs Monaten 2026 wurden laut Polizei 180 Hassverbrechen gegen Ukrainer gemeldet.
- Das ist ein Plus von einem Drittel im Vergleich zu 2025.
- Die Zeitung Gazeta Wyborcza warnt zudem vor zahlreichen Falschmeldungen im Netz über angebliche Verbrechen von Ukrainern an Polen.
Antiukrainische Parolen waren schon im Präsidentschaftswahlkampf des Vorjahres zu hören. Zusätzlichen Ärger löste laut Bericht im Mai eine Entscheidung des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj aus, die in Polen als Provokation wahrgenommen wurde. Für Tusk ist dennoch klar: Wenn Gewalt gegen Menschen wegen ihrer Herkunft oder Sprache geduldet wird, droht die Lage weiter zu eskalieren.