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Politik19. August 2026, 15:00 Uhr · von Redaktion

Tunnel-Alarm an der EU-Grenze

Die EU-Grenzschutzagentur Frontex wirft Belarus vor, den Bau von Tunneln Richtung Litauen, Lettland und Polen zu unterstützen. Trotz sinkender Zahlen irregulärer Einreisen warnt die Behörde vor weiterem Migrationsdruck.

Tunnel-Alarm an der EU-Grenze

Foto: Jean-Baptiste Greuze / Wikimedia Commons, Public domain

Die Vorwürfe gegen Belarus wiegen schwer: Nach Informationen von WDR und NDR geht Frontex in einer internen Analyse davon aus, dass Tunnel an den Grenzen zu Litauen, Lettland und Polen nicht ohne Wissen staatlicher Stellen auf belarusischer Seite entstehen konnten. Auf Behördenseite ist man demnach überzeugt, dass das Regime von Alexander Lukaschenko hinter dieser Methode steckt, um Migranten in EU-Staaten zu bringen.

Besonders brisant: Frontex hält es laut der Analyse für möglich, dass belarusische Dienste nicht nur Bescheid wissen, sondern den Bau aktiv unterstützen. Demnach sei auch nicht ausgeschlossen, dass Spezialisten für die Konstruktion eingesetzt und Migranten zum Graben genutzt würden. Die Agentur rechnet offenbar damit, dass Tunnel auch in Zukunft eine Rolle spielen werden.

Erster Fund jetzt auch in Lettland

In der vergangenen Woche wurde erstmals auch in Lettland ein solcher Grenztunnel entdeckt. Nach Angaben der Behörden sollen 15 Migranten durch den unterirdischen Zugang in das Land gelangt sein. Gefunden wurde er nahe des schon länger geschlossenen Grenzübergangs Silene. Bereits seit dem vergangenen Jahr waren mehrere Tunnel an den Grenzen zwischen Belarus und Litauen sowie zu Polen entdeckt worden.

Weniger Übertritte, aber neue Methoden

Zwar ist die Zahl irregulärer Grenzübertritte an den östlichen EU-Außengrenzen zuletzt zurückgegangen. Frontex zählte im ersten Halbjahr 3.209 unerlaubte Einreisen – das sind 44 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Trotzdem warnt die Behörde, dass der Druck nicht nachgelassen habe. Die verschärften Grenzsicherungen mit Zäunen hätten Übertritte schwieriger gemacht, doch Belarus setze offenbar auf raffiniertere Wege.

  • Erster entdeckter Tunnel dieser Art in Lettland
  • Mehrere Funde zuvor bereits in Litauen und an der Grenze zu Polen
  • Die meisten Ausreiseversuche aus Belarus gehen laut Analyse derzeit Richtung Lettland

Aus Sicht von Frontex sind Tunnel damit Teil einer gezielteren Strategie geworden. Während die klassischen Grenzübertritte schwieriger werden, könnten unterirdische Routen nun verstärkt genutzt werden, um Menschen von Belarus aus in die Europäische Union zu schleusen.

Quelle: Tagesschau