Bolsonaros hoffen auf Comeback
In Brasilien entscheidet die Wahl auch über die Rückkehr des Bolsonaro-Lagers. Ex-Präsident Jair Bolsonaro darf nach seiner Verurteilung nicht antreten, stattdessen kandidiert sein Sohn Flávio Bolsonaro.

Foto: Wikimedia Commons / Agência Senado, CC BY 2.0
In Brasilien steht eine Richtungswahl an: Kommt das politische Lager von Jair Bolsonaro zurück an die Macht? Weil der frühere Präsident nach seiner Verurteilung im Zusammenhang mit einem geplanten Putschversuch nicht selbst kandidieren kann, schickt er nun seinen ältesten Sohn ins Rennen. Flávio Bolsonaro, 45 Jahre alt und bislang Senator, soll das politische Erbe der Familie antreten.
Im Wahlkampf zeigte sich Flávio Bolsonaro offensiv und publikumsnah. Inhaltlich setzt er aber auf den bekannten Kurs des Vaters: ein harter Kurs gegen Kriminalität, ein schlankerer Sozialstaat und konservative Leitbilder. Dazu gehören für ihn vor allem Religion, Vaterland und Familie. Im Ton wirkt der Sohn zwar moderater, politisch steht er jedoch für klare Kontinuität.
Frauen rücken in den Mittelpunkt
Besonders spannend ist der Blick auf die Wählerinnen. 53 Prozent der Gesellschaft sind Frauen – und sie könnten die Wahl entscheidend prägen. Bislang stimmten viele von ihnen eher für linke Kräfte. Doch laut dem Bericht gibt es Verschiebungen. Eine Anhängerin aus einem Vorort von Brasília nennt als Gründe vor allem christliche Werte, ein traditionelles Familienbild, weniger Steuern und mehr wirtschaftliche Freiheit.
- Flávio Bolsonaro tritt anstelle seines Vaters an
- Er verspricht konservative Werte und einen harten Sicherheitskurs
- Frauen könnten die Wahl mitentscheiden
Konfliktlinie bis in den Amazonas
Während konservative Familien auf einen politischen Kurswechsel hoffen, wächst an anderer Stelle die Sorge. Der Bericht verweist auch auf Kritik an der möglichen Rückkehr der Bolsonaro-Politik, unter anderem mit Blick auf Umwelt- und Klimafragen. Besonders im Amazonasgebiet, wo indigene Gemeinschaften von Wald und Flüssen leben, wird die Entwicklung aufmerksam verfolgt.
Die Wahl ist damit mehr als nur ein Urnengang um ein Präsidentenamt. Sie ist auch ein Test, ob der Name Bolsonaro trotz juristischem Absturz des Vaters weiter genügend Zugkraft besitzt – und ob Flávio Bolsonaro daraus tatsächlich einen Machtwechsel machen kann.
Quelle: Tagesschau