Tschechien plant Handy-Stopp
In Tschechien will die Regierung Handys für Kinder und Jugendliche bis zur 9. Klasse weitgehend aus dem Schulalltag verbannen. Das Verbot soll nicht nur im Unterricht, sondern auch in Pausen, Mensa und Nachmittagsbetreuung gelten.

In Tschechien soll die Schule für viele Kinder und Jugendliche bald zur handyfreien Zone werden. Die Regierung plant, Mobiltelefone für Schülerinnen und Schüler bis einschließlich der 9. Klasse weitgehend aus dem Schulalltag zu verbannen. Betroffen wären damit alle bis zum Ende der Schulpflicht.
Verbot weit über den Unterricht hinaus
Nach den Plänen soll das Handy nicht nur im Unterricht tabu sein. Auch in Pausen, in der Schulkantine und bei Nachmittagsangeboten sollen mobile Geräte nicht benutzt werden dürfen. Das gilt laut Regierung nicht nur für Smartphones, sondern ebenso für andere Geräte wie Smartwatches. Ausnahmen sind nur vorgesehen, wenn Handys im Unterricht gebraucht werden oder Kinder sie aus gesundheitlichen Gründen benötigen.
Bildungsminister Robert Plaga verweist darauf, dass zwar schon heute 93 Prozent der Schulen die Handynutzung in ihren Regeln festgelegt haben. Ein Problem sieht er aber bei den Pausen: Nur etwa die Hälfte der Grundschulen untersage Handys auch dort. Nach seiner Darstellung sprechen Studien dafür, dass solche Verbote funktionieren.
Regierung hofft auf Ruhe und bessere Noten
Die Initiatoren verbinden mit dem Vorhaben mehrere Ziele:
- mehr Konzentration im Schulalltag
- bessere schulische Leistungen
- weniger Mobbing in sozialen Netzwerken
- mehr direkte Gespräche zwischen Schülerinnen und Schülern
Tschechien würde damit Ländern wie Frankreich, Österreich und Griechenland folgen, in denen Smartphones an Schulen bereits untersagt sind. Auch Regierungschef Andrej Babiš unterstützt den Kurs und verweist auf Erfahrungen aus anderen Ländern, wo Kinder nach solchen Regeln wieder mehr miteinander sprechen würden.
Widerspruch kommt aber aus der Opposition und von Fachleuten. Die ODS spottet, Lehrkräfte könnten so zu Kontrolleuren von Schulrucksäcken werden. Die Piratenpartei hält das Vorhaben für wenig wirksam und zweifelt daran, wie ein pauschales Verbot bei älteren Kindern überhaupt durchgesetzt werden soll. Auch Kinderombudsmann Martin Beneš sieht die Pläne kritisch: Aus seiner Sicht könnten Schulen über ihre eigenen Schulordnungen flexibler handeln, statt eine zentrale Vorgabe für alle umzusetzen.