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Politik12. August 2026, 07:02 Uhr · von Redaktion

Todesurteil gegen Assad

Ein Gericht in Damaskus hat Baschar al-Assad in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Für viele Syrer ist das ein wichtiges Signal nach dem Sturz des Regimes, auch wenn zentrale Fragen weiter offen sind.

Todesurteil gegen Assad

Knapp zwei Jahre nach seiner Flucht ist Syriens früherer Machthaber Baschar al-Assad in Damaskus in Abwesenheit zum Tode verurteilt worden. Das Urteil wurde live im Staatsfernsehen verlesen. Vorgeworfen werden ihm unter anderem vorsätzlicher Mord, Folter und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Assad hatte Syrien im Dezember 2024 mit seiner Familie in Richtung Russland verlassen, kurz nach seinem Sturz durch islamistische Kämpfer.

Im Gerichtssaal und vor dem Justizpalast reagierten viele Menschen mit Jubel. Mitverurteilt wurde auch Atif Nadschib, ein Cousin Assads. Anders als der Ex-Machthaber war er bei der Urteilsverkündung anwesend. Nadschib leitete einst die politischen Sicherheitsbehörden in Daraa, jener Provinz, in der der Aufstand gegen das Assad-Regime im März 2011 begonnen hatte.

Urteil mit hoher Symbolkraft

Der Prozess knüpft an die frühen Tage der Proteste an: Kinder hatten regimekritische Parolen an Wände geschrieben, Jugendliche demonstrierten. Sicherheitskräfte griffen hart durch. Im Saal wurden Bilder getöteter Jugendlicher gezeigt, die schwere Folterverletzungen dokumentieren sollen. Für Angehörige der Opfer ist das Urteil deshalb mehr als nur ein juristischer Akt.

  • Verurteilt: Baschar al-Assad, sein Bruder Mahir und weitere frühere Vertreter der gestürzten Regierung
  • Anwesend im Saal: Atif Nadschib
  • Ort des Aufstands 2011: Daraa im Süden Syriens

Viele hoffen auf mehr Aufarbeitung

Betroffene und Juristen sehen in dem Richterspruch einen wichtigen Anfang, aber keinen Abschluss. Der Anwalt Amjad Hammoud spricht von einem ersten Erfolg der syrischen Übergangsjustiz. Aus seiner Sicht geht es nun darum, die gesamte Befehlskette aufzuarbeiten: Wer ordnete die Taten an, wer führte sie aus und wer half bei der Vertuschung? Genau darin sehen viele Syrer den eigentlichen Maßstab für Gerechtigkeit.

Offen bleibt allerdings, ob das Urteil jemals vollstreckt werden kann. Denn Assad und sein Bruder Mahir al-Assad befinden sich laut Bericht weiterhin im Exil in Russland. Für viele Syrer ist der Schuldspruch dennoch ein starkes Zeichen: Das Ende des Regimes soll nicht das Ende der Aufklärung sein.