Taliban locken Touristen
Fünf Jahre nach der Machtübernahme wollen die Taliban Afghanistan für Reisende öffnen. Laut Kulturministerium kamen im vergangenen Jahr mehr als 10.000 ausländische Touristen – trotz Reisewarnung, Verboten und harter Diskriminierung von Frauen.

Fünf Jahre nach ihrer Machtübernahme setzen die Taliban in Afghanistan auf Tourismus. Das Regime hofft, mit ausländischen Besuchern die schwache Wirtschaft zu stützen. Nach Angaben des Kulturministeriums reisten im vergangenen Jahr mehr als 10.000 ausländische Touristen ins Land. Beworben wird Afghanistan dabei als sicheres Reiseziel mit eindrucksvoller Natur, gastfreundlichen Menschen und vergleichsweise niedrigen Preisen.
Urlaubsbilder mit harten Brüchen
Vor Ort zeigt sich jedoch ein Land voller Gegensätze. In Kabul liegen auf den Märkten Obst und Gemüse unter bunten Schirmen, während bewaffnete Taliban das Straßenbild prägen. Gleichzeitig wird die humanitäre Krise sichtbar: Kinder betteln an Autofenstern, im Hintergrund stehen neu errichtete Paläste und festlich beleuchtete Veranstaltungsorte. Selbst bei Hochzeiten gelten strikte Regeln – Afghanistan ist laut Bericht das einzige Land der Welt, in dem Musik verboten ist.
Besonders deutlich werden die Widersprüche im Nationalpark Band-e Amir. Die Landschaft mit ihren schroffen Felsen und den intensiv blauen Seen gilt als eines der bekanntesten Naturziele des Landes. Trotzdem bleibt es dort oft leer. Ein Grund: Frauen dürfen den Park wie viele andere Sehenswürdigkeiten tagsüber nicht betreten, ausgenommen die frühen Morgenstunden. Viele Männer bleiben deshalb ebenfalls zuhause.
Zwischen Neugier, Angst und Propaganda
Die Taliban verbinden ihre Einladung an Reisende mit klaren Bedingungen: Wer einreise, müsse islamische und kulturelle Regeln respektieren. Einige Influencer und Touristen nehmen das in Kauf. Eine Reisende aus Indien schildert, wie nah in Afghanistan Faszination und Beklemmung beieinanderliegen – freundliche Begegnungen mit Menschen auf der einen, die harte Politik gegenüber Frauen auf der anderen Seite.
- Tourismus soll die Wirtschaft stärken
- Mehr als 10.000 ausländische Besucher im Vorjahr
- Frauen sind von vielen Orten ausgeschlossen
- Für Afghanistan gilt weiterhin eine Reisewarnung der Bundesregierung
Auch einzelne deutsche Reisende lassen sich davon nicht abschrecken. Eine Urlauberin aus dem Schwarzwald berichtet sogar, die vielen bewaffneten Taliban hätten ihr ein Gefühl von Sicherheit gegeben. Genau darin liegt der Kern des neuen Afghanistan-Tourismus: Besucher bewegen sich zwischen spektakulären Landschaften, demonstrativer Gastfreundschaft und einem Regime, das seine Kontrolle überall sichtbar macht.