Streit um schwarze Wahlbezirke
Im Süden der USA werden vor den Midterms 2026 mehrheitlich schwarze Wahldistrikte neu zugeschnitten oder aufgelöst. In Tennessee traf es den Raum Memphis, Kritiker warnen vor massivem Machtverlust schwarzer Wähler.
Foto: Francisco Anzola / Wikimedia Commons, CC BY 2.0
Vor den Midterms 2026 sorgt der Zuschnitt von Wahlkreisen im Süden der USA für scharfe Kritik. Besonders im Fokus steht Tennessee: Dort hat die republikanische Mehrheit im Parlament die bisherige Karte für die neun Sitze im Kongress verändert. Der Wahlbezirk in und um Memphis wurde aufgeteilt und drei konservativ geprägten Distrikten zugeschlagen.
Damit verschwand ausgerechnet der letzte Wahlkreis des Bundesstaats, in dem Demokraten gewählt wurden – und zugleich ein Bezirk mit mehrheitlich schwarzen Wählerinnen und Wählern. In der Mississippi Boulevard Christian Church in Memphis rief Pastor J. Lawrence Turner seine Gemeinde deshalb dazu auf, das Wahlrecht nicht als selbstverständlich zu betrachten und am 3. November an die Urnen zu gehen.
Erinnerung an alte Kämpfe
Turner, der auch als Bürgerrechtsaktivist auftritt, warnt vor einem Verlust politischer Mitsprache. Aus seiner Sicht droht schwarzen Wählenden in Memphis die Möglichkeit zu entgleiten, selbst zu bestimmen, wer sie in Washington vertritt. Das weckt Erinnerungen an eine Zeit, in der Schwarze im Süden mit Einschüchterung, Schikanen und Gewalt von der Stimmabgabe abgehalten wurden.
Ein Bürgerrechtsgesetz von 1965 hatte solchen Praktiken Grenzen gesetzt und Wahlbezirke mit schwarzer Bevölkerungsmehrheit geschützt. Doch laut SRF wurde dieser Schutz im Frühling durch den Obersten Gerichtshof geschwächt. Danach wurden entsprechende Bezirke in mehreren Südstaaten rasch verändert oder aufgelöst.
Neues Wettrüsten bei den Wahlkarten
Betroffen sind demnach nicht nur Teile von Tennessee. Genannt werden auch:
- Louisiana
- Alabama
- Tennessee
Grundsätzlich versuchen zwar beide großen Parteien, Wahlkarten zu ihrem Vorteil zu zeichnen und möglichst viele sichere Sitze zu schaffen. Laut Bericht wurden in mehreren Bundesstaaten auf Drängen von Präsident Trump sogar ausserplanmässig neue Grenzen gezogen, um eine drohende Niederlage im November abzufedern. Als Demokraten teils nachzogen, wurde daraus ein regelrechtes Wettrüsten um die Distrikte.
Quelle: SRF