Spanien schickt Soldaten
Nach der Ankunft von mehr als 1.500 Migranten in der spanischen Exklave Ceuta verstärkt Madrid den Einsatz vor Ort. Soldaten, Polizei und ein Militärschiff sollen die Lage an der EU-Außengrenze stabilisieren.

Die spanische Regierung reagiert auf die angespannte Lage in Ceuta mit einem größeren Sicherheitseinsatz. Nachdem binnen weniger Tage laut Behörden mehr als 1.500 Migranten in die nordafrikanische Exklave gelangt sind, sollen nun Soldaten, zusätzliche Polizeikräfte und militärische Unterstützung vor Ort für Ordnung sorgen.
Verstärkung für die Grenze
Nach Angaben des Innenministeriums sollen bis Freitag drei Züge mit je 20 Soldaten, eine Tauchereinheit und ein Militärschiff nach Ceuta verlegt werden. Auch die Spezialeinheiten der Polizei werden demnach auf 200 Beamte aufgestockt. Die Regierung in Madrid erklärte, die Streitkräfte sollten die Guardia Civil dabei unterstützen, die Sicherheit in der Stadt zu gewährleisten.
Besonders am Donnerstag spitzte sich die Situation weiter zu. Wie viele Menschen an diesem Tag tatsächlich ankamen, ist unklar. Medienberichte sprechen von Zahlen zwischen mehreren Hundert und mehreren Tausend. Fest steht: Die Unterkünfte in Ceuta sind massiv überlastet, viele Menschen müssen derzeit unter freiem Himmel schlafen. Zudem meldeten die spanischen Behörden mindestens neun Tote beim Versuch, die Exklave zu erreichen.
Chaos vor Ort, EU bietet Hilfe an
Aus Sicherheitskreisen und von Menschenrechtsseite wird die Lage als außergewöhnlich beschrieben. Der Regionalpräsident von Ceuta, Juan Jesús Vivas, forderte von der Zentralregierung sogar, aus Gründen der nationalen Sicherheit den Notstand auszurufen. Madrid lehnte das jedoch ab. Unterstützung kommt stattdessen aus Brüssel: Die EU stellte Spanien Hilfe in Aussicht, auch über Frontex.
- Ceuta ist spanisches Gebiet an der Küste Nordafrikas und grenzt an Marokko.
- Die Aufnahmezentren sind laut Berichten um ein Vielfaches überfüllt.
- Eine mögliche Ursache ist ein Gerichtsurteil von Anfang Juli.
Als möglicher Auslöser der Entwicklung gilt eine Entscheidung des spanischen Obersten Gerichtshofs. Demnach dürfen Menschen, die beim Versuch, Ceuta schwimmend zu erreichen, im Meer aufgegriffen werden, nicht sofort nach Marokko zurückgeschickt werden. Stattdessen muss ein reguläres ausländerrechtliches Verfahren eingeleitet werden. Ob das direkt mit dem starken Anstieg der Ankünfte zusammenhängt, ist bislang aber nicht offiziell bestätigt.