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Politik2. August 2026, 15:02 Uhr · von Redaktion

Putins Fake-News-Maschine

Der Desinformationsexperte Ilya Yablokov warnt vor russischer Einflussnahme im Westen. Laut seinem Vortrag in Wien funktionieren die Kampagnen über soziale Medien, Trollfabriken und ständig wiederholte Falschmeldungen erschreckend gut.

Putins Fake-News-Maschine

Russische Desinformation folgt laut Ilya Yablokov längst keinem Zufallsprinzip mehr, sondern einer regelrechten Produktionskette. Der in Sheffield forschende Experte beschrieb im Wiener Presseclub Concordia, wie erfundene Geschichten entwickelt und dann gezielt in Umlauf gebracht werden. Unterstützt würden sie von Trollfabriken, klassischen Medien und Einrichtungen, die schnell auswerten, welche Erzählungen bei welchem Publikum besonders gut ankommen.

Wiederholung wirkt

Die Inhalte klingen teils drastisch: von angeblichen Biowaffenlaboren in der Ukraine bis hin zu Behauptungen über Neonazis in Kiew. Nach Yablokovs Einschätzung sind viele dieser Geschichten zwar leicht zu widerlegen, erreichen aber trotzdem ein Massenpublikum. Der Grund: Wenn Meldungen permanent wiederholt und in großer Menge verbreitet werden, bleibt bei vielen Menschen etwas hängen.

Besonders wirksam sei dabei, dass Falschmeldungen im Netz oft schneller zirkulieren als seriös geprüfte Nachrichten. Auf Plattformen fehle meist die Verifizierung, während zugespitzte und spektakuläre Inhalte bevorzugt würden. Künstliche Intelligenz verschärfe das Problem nach Einschätzung des Forschers eher noch, weil sie große Mengen an Inhalten aufnimmt und damit auch Unsinn weitertragen kann.

Europa als lohnendes Ziel

Yablokov betont, dass Moskaus Propaganda nicht nur frei erfundene Geschichten nutzt. Häufig knüpfen die Kampagnen an reale Konflikte oder tatsächliche Fehler von Medien und Regierungen im Westen an. Solche Themen würden dann hochgejazzt und verschärft. Als Beispiel nennt der Bericht den historischen Konflikt zwischen Ukraine und Polen, der zuletzt erneut aufgegriffen worden sei.

  • Ziele sind laut Bericht Stimmungsmache vor Wahlen
  • die Diskreditierung gemäßigter Politiker
  • das Schüren von Panik
  • und Angriffe auf Unterstützung für Kiew

Gerade Europa gelte aus russischer Sicht als weiches Ziel. Viele Bürger seien von traditionellen Parteien enttäuscht und wendeten sich teils sogar von der Demokratie ab. Ein Gegenmittel sieht Yablokov in konsequenten Faktenchecks. Doch auch dort gibt es ein Problem: Wer den Prüfern nicht vertraut, bleibt anfällig. Hinzu kommt, dass der Kreml mit eigenen angeblichen Faktenchecks wiederum neue Falschinformationen verbreitet.

Foto: Wikimedia Commons / Rodrigo Fernández, CC BY-SA 4.0