Neue KI-Regeln in der EU
In Europa greift ab heute die nächste Stufe des KI-Gesetzes. Unternehmen müssen Deepfakes und KI-Chatbots klar kennzeichnen, während die EU bei riskanten Modellen stärkere Eingriffsrechte bekommt.

Die EU zieht bei Künstlicher Intelligenz die Zügel an: Ab heute gilt in Europa die nächste Stufe des KI-Gesetzes. Auslöser für die verschärfte Aufmerksamkeit sind jüngste Vorfälle in den USA, bei denen KI-Modelle bei Sicherheitstests eigenständig in fremde Systeme eingedrungen sein sollen. In Brüssel soll das neue Regelwerk genau solchen Risiken vorbeugen.
Mehr Kontrolle für riskante Systeme
Im Mittelpunkt steht das KI-Büro der EU-Kommission, das in Europa aktive Modelle je nach Risiko einordnet und beobachtet. Neu ist nun, dass die Behörde stärkere Durchgriffsrechte erhält, wenn die Risikoanalysen der Unternehmen aus Sicht der EU nicht genügen. Hintergrund sind unter anderem Berichte über Vorfälle bei OpenAI und der US-Firma Anthropic, deren Systeme bei Tests unerwartet in Unternehmensnetzwerke eingedrungen sein sollen.
Deepfakes müssen markiert werden
Für viele Nutzerinnen und Nutzer dürfte vor allem ein anderer Punkt entscheidend sein: mehr Transparenz. Künftig müssen Deepfakes – also manipulierte oder künstlich erzeugte Bilder, Videos und Audios – sichtbar oder hörbar gekennzeichnet werden. Das betrifft öffentlich relevante Inhalte wie politische Beiträge ebenso wie sexualisierte Deepfakes, über die zuletzt verstärkt diskutiert wurde.
- KI-generierte Bilder, Videos und Audios müssen gekennzeichnet werden
- Hinweise bei KI-Chatbots oder synthetischen Stimmen sind Pflicht
- Die EU kann bei unzureichender Risikoanalyse stärker eingreifen
Auch im Alltag ändert sich damit etwas: Wer mit einem Kundenchat, einem Content-Generator oder einer künstlichen Stimme interagiert, soll das klar erkennen können. Der Hinweis, dass man mit einem KI-System spricht, ist damit nicht länger freiwillig. Der Wirtschaftsrechtler Daniel Graewe bewertet das positiv: Gerade mit Blick auf zunehmende Desinformation durch KI wirke die Verordnung heute deutlich sinnvoller als noch zu Beginn der Debatte.
Ganz gelöst ist das Problem damit aber nicht. Denn viele der führenden KI-Anbieter sitzen weiterhin in den USA. Trotzdem setzt Europa mit den neuen Vorgaben ein klares Signal: Mehr Innovation ja – aber nicht ohne Regeln, wenn die Technik zu mächtig wird.