Mittelmeer so heiß wie nie
Im Mittelmeer wurden teils mehr als 30 Grad gemessen, vor Mallorca sogar 33 Grad. Forschende warnen vor Schäden für Ökosysteme, invasiven Arten und heftigeren Unwettern im Herbst.

Das Mittelmeer heizt sich derzeit auf Rekordniveau auf. In den vergangenen Tagen wurden in mehreren Regionen außergewöhnlich hohe Werte registriert: Vor Mallorca lag die Meerestemperatur bei 33 Grad Celsius, im Ligurischen Meer bei Porto Venere bei 31 Grad. Auch vor Civitavecchia bei Rom sowie vor Sardinien und Sizilien wurden laut Messungen des italienischen Umweltforschungsinstituts ISPRA mehr als 30 Grad festgestellt.
Besonders beunruhigend ist für Fachleute, dass selbst das Ligurische Meer solche Werte erreicht. Dieses Gebiet galt unter Ozeanografen bisher eher als vergleichsweise kühles Becken. Teilweise mussten Messbojen sogar technisch angepasst werden, weil ihre Sensoren ursprünglich nur Temperaturen bis 30 Grad erfassen konnten.
Ökosystem unter Druck
Nach Einschätzung von Expertinnen und Experten geraten durch die Hitze empfindliche Meereslebensräume zunehmend aus dem Gleichgewicht. Paola Tepsich von der Stiftung CIMA sagte der Zeitung „La Stampa“, der Klimawandel sei nicht mehr nur im Gange, sondern bereits Realität. Mit den neuen Bedingungen breiten sich auch Arten aus, die im Mittelmeer ursprünglich nicht heimisch sind.
- Der Hasenkopf-Kugelfisch enthält das Nervengift Tetrodotoxin.
- Der Indische Rotfeuerfisch trägt giftige Stacheln und frisst große Mengen an Jungfischen und Krustentieren.
- Laut FAO hat sich die Ausbreitung invasiver Arten seit den frühen 2000er Jahren deutlich beschleunigt.
Mehr Energie für Herbst-Unwetter
Die hohen Wassertemperaturen könnten außerdem Folgen für das Wetter haben. Ein stark aufgeheiztes Meer verdunstet große Mengen Wasser und gibt zusätzliche Wärme an die Luft ab. Trifft im Herbst kalte Höhenluft aus dem Norden auf diese feuchtwarme Luftmasse, kann das heftige Stürme und Starkregen begünstigen.
Auch außerhalb des Mittelmeers sind die Signale alarmierend. Im Pazifik wurden in den vergangenen Monaten ebenfalls bisherige Höchstwerte überschritten. Das gilt als Hinweis darauf, dass sich in diesem Jahr ein besonders starker El Nino entwickeln könnte.