Lula startet in den Wahlkampf
Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva hat vor rund 20.000 Anhängern in São Bernardo do Campo seinen Kampf um die Wiederwahl eröffnet. Im Fokus steht eine Arbeitswelt, die immer stärker von Apps und Plattformjobs geprägt ist.

Luiz Inácio Lula da Silva ist offiziell in den brasilianischen Wahlkampf gestartet. Der Präsident trat am Sonntag vor rund 20.000 Anhängern der Arbeiterpartei PT in einem Stadion in São Bernardo do Campo auf – ausgerechnet an einem Ort, der eng mit seinem politischen Aufstieg verbunden ist. Dort hatte er schon 1979 zu streikenden Metallarbeitern gesprochen.
Alte Wurzeln, neue Zielgruppe
Fast 50 Jahre nach seinen Anfängen als Gewerkschafter steht Lula nun vor einer anderen Realität. Die klassische Industriearbeit, auf der die PT lange aufgebaut hat, verliert an Gewicht. Stattdessen wächst in Brasilien eine Generation von Beschäftigten, die digital, flexibel und oft über Plattformen arbeitet – und sich deutlich seltener mit traditionellen Gewerkschaften identifiziert.
Die Zahlen zeigen, wie stark sich der Arbeitsmarkt verändert hat:
- Der Anteil regulär Beschäftigter lag im Dezember bei 38,2 Prozent.
- Die Zahl der über digitale Plattformen vermittelten Arbeitskräfte stieg laut Schätzungen der Zentralbank von 2015 bis 2025 um 170 Prozent auf 2,1 Millionen.
- Der gewerkschaftliche Organisationsgrad fiel im vergangenen Jahrzehnt auf 8,9 Prozent.
Lula machte bei seinem Auftritt klar, dass sich auch seine Partei auf diese neue Arbeitswelt einstellen müsse. Vor der Wahl im Oktober versucht die PT deshalb, mit einer kürzeren Arbeitswoche und zusätzlichen Schutzrechten für App-basierte Arbeitskräfte zu punkten. Doch die entsprechenden Gesetzesvorhaben kommen im Kongress bislang nicht voran.
Junge Wähler als offene Baustelle
Widerstand kommt nicht nur von Technologieunternehmen. Auch viele der meist jungen und männlichen Plattformarbeiter sehen staatliche Eingriffe skeptisch. Sie befürchten weniger Flexibilität und zusätzliche Abgaben. Umfragen zufolge ordnet sich ein großer Teil dieser wachsenden Gruppe politisch in der Mitte oder rechts ein. Davon könnte ausgerechnet Lulas wichtigster rechter Herausforderer profitieren: Senator Flavio Bolsonaro, der diese Wählerschicht gezielt anspricht.
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Quelle: sn