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Politik9. August 2026, 19:02 Uhr · von Redaktion

Long Covid bleibt ein Kampf

In der Schweiz kämpfen laut Schätzungen bis zu 450'000 Menschen mit Long Covid. Trotz nachlassender öffentlicher Aufmerksamkeit bleibt der Bedarf an Hilfe groß, medizinische Durchbrüche fehlen weiter.

Long Covid bleibt ein Kampf

Long Covid ist für viele Betroffene in der Schweiz noch lange kein abgeschlossenes Kapitel. Chantal Britt beschreibt ihren Alltag als ständiges Abwägen: Selbst Aufräumen zuhause sei oft nicht mehr drin, stattdessen müsse sie ihre Energie für den Job und ihr Engagement bei Long Covid Suisse einteilen. Ihr Fall steht exemplarisch für viele Menschen, die weiterhin mit körperlichen und mentalen Einschränkungen leben.

Wie viele tatsächlich betroffen sind, ist unklar. Genannt werden rund 300'000 bis 450'000 Menschen in der Schweiz. Zwar hat die Forschung inzwischen einige körperliche Mechanismen der Krankheit besser beschrieben, doch die Diagnose bleibt kompliziert. Ein Grund: Viele Beschwerden überschneiden sich mit anderen Erkrankungen. Gleichzeitig ist das öffentliche Interesse deutlich gesunken. So wurde etwa eine Informationsseite des Bundesamts für Gesundheit seit 2024 nicht mehr aktualisiert, zudem sind mehrere spezialisierte Angebote verschwunden.

Viele Symptome, wenig Durchbruch

Beim Gesundheitszentrum Unisanté in Lausanne ist die Nachfrage nach Hilfe aber weiterhin da. Dort stieß sogar eine Long-Covid-Konferenz in diesem Jahr mit mehr als 400 Teilnehmenden auf überraschend großes Interesse. Der Arzt Christian von Plessen, der dort eine Long-Covid-Sprechstunde leiten soll, verweist auf die enorme Bandbreite der Beschwerden: Eine Studie erfasse mehr als 200 Symptome. Das zeigt, wie komplex das Krankheitsbild ist.

Bei der Behandlung gibt es bislang keinen entscheidenden medizinischen Durchbruch. Der Fokus liegt daher vor allem auf Begleitung und Symptomlinderung. Wichtig ist laut Fachleuten vor allem das sogenannte Pacing, also das Anpassen von Aktivitäten an die vorhandene Energie, um Rückschläge zu vermeiden.

  • Diagnose bleibt schwierig
  • Spezialsprechstunden wurden teils geschlossen
  • Pacing gilt weiter als zentrale Empfehlung
  • Psychologische Hilfe spielt oft eine wichtige Rolle

Körperlich bedingt, psychisch belastend

Aus Sicht der Fachleute ist klar: Long Covid ist nicht psychosomatisch. Es gibt laut von Plessen zahlreiche wissenschaftliche Hinweise auf körperliche Ursachen. Gleichzeitig kann die Erkrankung schwere psychische Folgen haben, etwa durch Isolation, Geldsorgen oder Zukunftsängste. Deshalb gehört oft auch psychologische Unterstützung zur Betreuung.

Trotz aller Rückschläge gibt es zumindest vorsichtige Hoffnung. Viele Patientinnen und Patienten erholen sich mit der Zeit. Laut einer Studie der Universität Zürich sind nach zwei Jahren noch 18 Prozent der Betroffenen krank. Weil es bislang keine gesicherte Standardtherapie gibt, probieren manche zusätzlich alternative Methoden aus und geben dafür teils viel Geld aus – häufig ohne belegten Nutzen.

Foto: Wikimedia Commons / Britt, Ernest (1860-1950). Compositeur, Public domain