Israel baut Grenze in Gaza aus
Satellitenbilder zeigen laut AP einen neuen Erdwall im Gazastreifen. Nach Angaben der Journalistin Vera Weidenbach kontrolliert Israel bereits rund 60 Prozent des Gebiets, Premier Benjamin Netanjahu peilt demnach 70 Prozent an.

Israel treibt laut einer Recherche der Nachrichtenagentur AP den Bau eines Erdwalls im Gazastreifen voran. Auf Satellitenbildern ist zu sehen, dass die Anlage weite Teile einer Linie nachzeichnet, die im Waffenstillstandsabkommen zwischen Israel und der Hamas festgelegt worden war. Die freie Journalistin Vera Weidenbach, die unter anderem für die israelische Zeitung „Haaretz“ berichtet, sagt aber auch: An mindestens zwei Stellen sei Israel inzwischen weiter in den Gazastreifen vorgedrungen als ursprünglich vereinbart.
Immer mehr Gebiet unter Kontrolle
Nach Weidenbachs Einschätzung kontrolliert Israel damit inzwischen 60 Prozent des Gazastreifens. Laut Premierminister Benjamin Netanjahu sollen es am Ende sogar 70 Prozent werden. Für die rund zwei Millionen Palästinenserinnen und Palästinenser in Gaza bedeutet das laut der Journalistin vor allem eines: immer weniger Platz. In den vergangenen Wochen habe es wiederholt Evakuierungsaufrufe der Armee gegeben, viele Menschen seien gezwungen worden, die betroffenen Gebiete zu verlassen.
Weidenbach beschreibt die Lage so, dass die Bevölkerung zunehmend in ein kleiner werdendes Areal an der Küste gedrängt werde. Viele lebten dort unter prekären Bedingungen – in Zeltlagern oder in den Trümmern zerstörter Häuser.
Hinweise auf längere Militärpräsenz
Offiziell hat sich das israelische Militär laut SRF weder zur Ausweitung des kontrollierten Gebiets noch zum Erdwall geäußert. Es gibt jedoch Aussagen von Armeechef Eyal Zamir, der die sogenannte gelbe Linie demnach nicht nur als vorübergehende Markierung, sondern als längerfristige Sicherheitsgrenze bezeichnet hat.
- Die Linie war eigentlich Teil des Waffenstillstandsabkommens.
- Israel sollte sich zunächst hinter diese Linie zurückziehen.
- Später war laut Vereinbarung ein kompletter Rückzug aus dem Gazastreifen vorgesehen.
Zusätzlich zum Erdwall wird laut Weidenbach auch über mindestens drei neue befestigte Außenposten berichtet. Für viele Palästinenserinnen und Palästinenser nährt das die Sorge, dass aus einer vorübergehenden Linie eine dauerhafte Grenze werden könnte – zumal die Verhandlungen über das Waffenstillstandsabkommen seit Monaten feststecken.
Foto: Wikimedia Commons / Avi Ohayon, CC BY-SA 3.0