Fake-Welle zielt auf Wahlen
Vor mehreren Wahlen im September kursieren in Deutschland mehr als 180 Fake-Posts mit erfundenen Skandalen über Politiker. Laut DW gehören sie zur russischen Einflussoperation „Matrjoschka“.

Im Vorfeld mehrerer Wahlen in Deutschland rollt eine massive Welle gefälschter Inhalte durch soziale Netzwerke. Nach Recherchen von DW Faktencheck wurden seit dem 24. Juni mehr als 180 Fake-Posts auf X, Bluesky und Tiktok veröffentlicht. Im Zentrum stehen erfundene Skandale über Kandidatinnen und Kandidaten für die anstehenden Abstimmungen im September.
Besonders drastisch trifft es Eric Stehr, Kandidat der Linken für die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. In gefälschten Videos wird ihm unter anderem Mord, die Organisation geheimer LGBTQ-Sexpartys und ein angeblicher Noten-Skandal an einer Universität angedichtet. Die Clips geben sich als Beiträge bekannter deutscher Medien aus, nutzen deren Logos und Aufmachung – echt sind sie aber nicht.
Erfundene Vorwürfe, echte Wirkung
Laut DW sind die Behauptungen vollständig frei erfunden. Ein Polizeisprecher des Burgenlandkreises bestätigte, dass gegen Stehr keinerlei Ermittlungen wegen eines Tötungsdelikts laufen. Auch die Bauhaus-Universität Weimar wies die Vorwürfe zurück. Für Betroffene ist das trotzdem belastend: Die Falschmeldungen bleiben im Netz sichtbar, obwohl sie jeder Grundlage entbehren.
- Fake-Videos missbrauchen Logos etablierter Medien
- Ziel sind Kandidaten in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Berlin und Niedersachsen
- Verbreitung seit dem 24. Juni, auffällig nur an Werktagen
Spur führt zu „Matrjoschka“
Nach Einschätzung von DW sind die Beiträge Teil der russischen Einflussoperation „Matrjoschka“, auch „Overload“ genannt. Die Datengrundlage stammt vom Recherchekollektiv Antibot4Navalny, das Desinformationskampagnen im Netz dokumentiert. Beobachter überrascht laut DW weniger, dass Deutschland ins Visier geraten ist – sondern vor allem das Ausmaß der Aktion.
Im Fokus stehen Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern, Abgeordnetenwahlen in Berlin und inzwischen auch Kommunalwahlen in Niedersachsen. Weil diese Urnengänge als Stimmungstest für die politische Lage und die neu aufgestellte Bundesregierung gelten, bekommen die Desinformationskampagnen zusätzliches Gewicht.