Druck auf Berlin wächst
Vertreter der Ovaherero und Nama haben im Bundestag mehr Einsatz bei der Aufarbeitung deutscher Kolonialverbrechen gefordert. Im Zentrum steht die Forderung nach einer offiziellen Anerkennung des Genozids und einer Entschuldigung Deutschlands.

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Im Bundestag ist die Aufarbeitung der deutschen Kolonialverbrechen in Namibia erneut zum Streitthema geworden. Auf der Besuchertribüne verfolgten Nachfahren der Opfer die Debatte aus nächster Nähe — darunter Gaob D. Timotheus Frederick von der Nama Traditional Leaders Association und Mutjinde Katjiua, Oberhaupt der Ovaherero Traditional Authority. Beide verlangen von Deutschland eine klare politische Antwort auf den Völkermord an ihren Vorfahren.
Besonders scharf ist die Kritik daran, dass es bis heute keine offizielle Entschuldigung einer deutschen Regierung gibt. Zwar liegt ein Entwurf für eine gemeinsame Erklärung mit Namibia vor, in der die Bundesregierung einen Genozid „aus heutiger Sicht“ anerkennt. Unterzeichnet ist das Abkommen aber noch nicht. Für die Vertreter der Ovaherero und Nama reicht das nicht aus: Sie fordern eine vollständige Anerkennung und eine bedingungslose Entschuldigung.
Genozid bis heute nicht per Bundestagsbeschluss anerkannt
Hintergrund sind die Verbrechen des Deutschen Reichs in den Jahren 1904 bis 1908. Historiker sprechen von einem Vernichtungskrieg gegen Ovaherero, Nama, Damara und San. Laut den im Bundestag diskutierten Angaben wurden mindestens 100.000 Menschen getötet, viele weitere vertrieben, zur Zwangsarbeit gezwungen oder sexuell ausgebeutet. Die Folgen von Enteignung und Landraub wirken nach Angaben der Betroffenen bis heute fort.
- keine Bundestagsresolution zum Genozid an Ovaherero und Nama
- Entwurf einer deutsch-namibischen Erklärung seit Jahren umstritten
- 1,1 Milliarden Euro Wiederaufbauhilfe über 30 Jahre im Gespräch
Ausgelöst wurde die aktuelle Debatte durch einen Antrag der Linkspartei. Darin geht es um eine „vollumfängliche Anerkennung“ und Entschädigung, gemeinsam erarbeitet mit Vertretern der Nachfahren. Auch die Grünen haben einen eigenen Antrag vorgelegt und verlangen, dass die betroffenen Gruppen stärker beteiligt werden. Vor allem Katjiua weist den bisherigen Kurs Berlins zurück: Wiederaufbauhilfe oder Entwicklungsgelder seien aus seiner Sicht kein Ersatz für Reparationen.
Abkommen weiter offen
Seit 2021 verhandeln Berlin und Windhoek über die gemeinsame Erklärung. Vorgesehen sind 1,1 Milliarden Euro für Wiederaufbauprojekte über 30 Jahre. Erst nach einer Unterzeichnung soll eine offizielle Entschuldigung durch das deutsche Staatsoberhaupt folgen. Für viele Nachfahren der Opfer ist genau das der Kern des Problems: Sie warten seit Jahrzehnten auf Anerkennung — und sehen, dass Deutschland bei der eigenen Kolonialgeschichte bis heute zögert.
Quelle: DW Deutsch