Drohne krachte in Antonow-Flügel
Am Flughafen Leipzig/Halle soll eine mit Semtex bestückte Drohne gezielt in die Tragfläche eines ukrainischen Frachtflugzeugs geflogen sein. Der Sprengsatz detonierte nicht, der Verdacht richtet sich laut Bericht vor allem gegen Russland.

Nach dem Drohnenfund am Flughafen Leipzig/Halle kommen neue Details ans Licht: Einer Recherche zufolge prallte das sichergestellte Fluggerät am Dienstagabend gegen 19.30 Uhr gezielt auf die Tragfläche einer ukrainischen Antonow AN-124. Das berichtet die Wochenzeitung „Die Zeit“ unter Berufung auf Aufnahmen einer Überwachungskamera. Demnach schlug die Drohne auf dem Flügel auf, fiel anschließend zu Boden und explodierte nicht.
Sprengsatz löste offenbar nicht aus
Besonders brisant: In Flugzeugtragflächen befinden sich normalerweise Treibstofftanks. Nach dem Bericht deuten auch Spuren an einem Flügel auf den geschilderten Ablauf hin. Der an der Drohne angebrachte Sprengstoff vom Typ Semtex wurde demnach später nicht direkt am Fluggerät gefunden, sondern in einiger Entfernung. Warum es keine Explosion gab, ist bislang unklar. Möglich ist laut Bericht, dass sich der Sprengsatz beim Aufprall vom Flugkörper löste.
Auch die bisherige Darstellung zum Fund wird damit korrigiert. Zunächst hieß es, ein Busfahrer habe die Drohne mit einem Fußtritt aus der Luft geholt. Die ausgewerteten Videos sollen nun aber zeigen, dass das Gerät bereits am Boden lag, als der Fahrer darauf aufmerksam wurde, mit dem Fuß darauf trat und danach das Sicherheitspersonal alarmierte. Entdeckt wurde die Drohne dem Bericht zufolge erst rund vier Stunden nach dem Einschlag.
Neuer Streit um Schutz kritischer Infrastruktur
Der Vorfall bleibt nicht der einzige. Später soll über dem Airport noch eine anfliegende Frachtmaschine mit einem weiteren Objekt kollidiert sein, das bisher nicht gefunden wurde. Woher die Drohne stammt, ist weiter offen. Der Verdacht richtet sich laut Bericht vor allem gegen Russland. Der Leipziger Flughafen gilt auch als Umschlagplatz für Militärgüter zugunsten der von Russland angegriffenen Ukraine.
- Vorfall am Dienstagabend, entdeckt erst Stunden später
- Drohne soll gegen die Tragfläche einer Antonow geprallt sein
- Sprengsatz mit Semtex detonierte nicht
- Bundespolizei soll ihre Drohnenabwehr ausbauen
Politische Folgen hat der Fall bereits: Bundesinnenminister Alexander Dobrindt will die Drohnenabwehreinheit der Bundespolizei ausbauen. Geplant sind demnach 300 Kräfte an künftig acht statt bisher vier Standorten, damit Einsätze schneller und flexibler möglich sind.
Foto: Wikimedia Commons / Harald Bischoff, CC BY-SA 3.0