Donau-Krise legt AKW lahm
Rumänien hat wegen des niedrigen Donaupegels sein einziges Atomkraftwerk komplett vom Netz genommen. Damit fallen laut Bericht rund 20 Prozent der Stromproduktion des Landes weg, die nun vor allem durch Importe ersetzt werden sollen.

In Rumänien spitzt sich die Energiekrise zu: Wegen des extrem niedrigen Wasserstands der Donau ist das einzige Atomkraftwerk des Landes, Cernavoda, jetzt vollständig abgeschaltet worden. Seit dem Vormittag ist auch der zweite Reaktorblock vom Netz. Damit fehlen dem Land nach Angaben aus dem Energieministerium rund 20 Prozent des Strombedarfs.
Hintergrund ist das anhaltende Niedrigwasser. Für den Betrieb der Kühlpumpen des Kraftwerks wird ausreichend Wasser aus der Donau benötigt – genau das fehlt nun. Schon Ende Juli war der erste Block heruntergefahren worden. Danach versuchte Rumänien noch, den zweiten Reaktor mit außergewöhnlichen Eingriffen so lange wie möglich weiterlaufen zu lassen.
Notmaßnahmen an der Donau
Um mehr Wasser zum Kraftwerk zu lenken, wurden laut Bericht zuletzt sogar schwere Maßnahmen ergriffen. Dazu gehörten:
- mit Steinen beladene Lastkähne, die in der Donau versenkt wurden
- die Sprengung eines Felsens durch die Armee
Beides brachte nur einen kurzen Aufschub. Schließlich musste laut Staatssekretär Cristian Bușoi auch Block 2 schrittweise abgeschaltet werden. Die fehlenden 680 bis 700 Megawatt sollen nun vor allem durch Stromimporte ausgeglichen werden. Zusätzlich helfe derzeit auch Windenergie.
Sparen im Alltag, Kohle als Reserve
Die Folgen der Lage sind im Alltag bereits spürbar. Im Dorf Scoarța wird seit Anfang August nachts die Straßenbeleuchtung abgeschaltet, um Energie zu sparen. Von Mitternacht bis vier Uhr morgens bleiben die Lampen aus. Bürgermeister Ion Grigore Stamatoiu sagte laut Bericht, die Maßnahme werde im Ort weitgehend akzeptiert.
Parallel prüft die Regierung weitere Schritte, um die Versorgung zu sichern. Für die kommende Woche steht bei Bedarf ein zusätzlicher Block des Kohlekraftwerks Rovinari mit etwa 300 Megawatt bereit. Außerdem hat Rumänien die EU-Kommission darüber informiert, dass die geplante Stilllegung einiger Kohlekraftwerke wegen der angespannten Lage verschoben werden soll.