Donau-Krise bedroht Atomstrom
In Rumänien wird wegen extremen Donau-Niedrigwassers sogar ein Felsen gesprengt, um das AKW Cernavoda weiter kühlen zu können. Auch in Ungarn und Serbien wächst der Druck auf die Stromversorgung, Regierungen rufen zum Sparen auf.

Die anhaltende Hitze und das Niedrigwasser der Donau bringen mehrere Länder in Südosteuropa in Bedrängnis. Besonders angespannt ist die Lage in Rumänien: Dort versucht die Regierung, eine komplette Abschaltung des Atomkraftwerks Cernavoda noch abzuwenden. Weil der Fluss aktuell rund ein Drittel weniger Wasser führt als für diese Jahreszeit üblich, reicht die Kühlung der Anlage nicht mehr verlässlich aus.
Um mehr Wasser zum Kraftwerk zu lenken, wurde in einem Donauarm bei Izvoarele ein Felsen gesprengt. Die Gesteinsbrocken sollen nun mit Lastkähnen abtransportiert und an anderer Stelle im Fluss versenkt werden. So soll sich der Wasserstand in dem Bereich verändern, damit mehr Donauwasser das AKW erreicht. Ob dieser ungewöhnliche Eingriff den gewünschten Effekt bringt, ist allerdings noch offen.
Sprengung soll doppelt helfen
Verteidigungsminister Radu Miruta wertete die Aktion dennoch als Erfolg. Selbst wenn der Einfluss auf den Pegel unklar bleibe, erleichtere die Beseitigung des Hindernisses zumindest die Durchfahrt für Schiffe. Zugleich machte er deutlich, wie ernst die Lage ist: Falls der Plan nicht aufgeht, müsste das Kraftwerk spätestens bis Donnerstag komplett vom Netz. Einer der beiden Reaktoren war bereits in der vergangenen Woche heruntergefahren worden.
- Rumänien ruft die Bevölkerung zum Stromsparen auf
- Dacia und Ford stoppten ihre Produktion vorübergehend
- Auch die Schifffahrt auf der Donau soll von der Sprengung profitieren
Auch Ungarn und Serbien unter Druck
Die Probleme enden nicht an der rumänischen Grenze. In Ungarn steht das einzige Atomkraftwerk des Landes ebenfalls vor einer möglichen Komplettabschaltung. Nach Angaben von Ministerpräsident Peter Magyar läuft derzeit nur noch eine Turbine, eine vollständige Stilllegung in den kommenden Tagen gilt als wahrscheinlich. Die Anlage südlich von Budapest deckt knapp die Hälfte der ungarischen Stromproduktion. Auch dort wird deshalb zum Energiesparen aufgerufen; falls das nicht reicht, stellte die Regierung sogar verbindliche Verbrauchsbegrenzungen und Netztrennungen für Großverbraucher in Aussicht.
In Serbien zeigt sich die Krise ebenfalls deutlich. Dort arbeitet ein wichtiges Wasserkraftwerk wegen des niedrigen Donau-Pegels nur noch zu 20 Prozent. Ministerpräsident Djuro Macut appellierte an die Bevölkerung, Geräte mit hohem Stromverbrauch möglichst zu meiden. Damit wird immer klarer: Das Donau-Niedrigwasser ist längst nicht nur ein Problem für die Schifffahrt, sondern entwickelt sich zu einer handfesten Energiekrise in mehreren Ländern.