Dürre und Energie-Schock
In Moldau spitzen sich gleich zwei Krisen zu: Wegen anhaltender Dürre sinken die Pegel wichtiger Flüsse, zugleich hat das Parlament einen 60-tägigen Energienotstand beschlossen. Die Opposition nutzt die Lage für prorussische Forderungen.

Foto: Wikimedia Commons / https://www.kmu.gov.ua/, CC BY 4.0
Die Republik Moldau steckt mitten in einer doppelten Belastungsprobe: anhaltende Dürre trifft auf massiv gestiegene Energiepreise. In Flüssen wie dem Dnister sind die Wasserstände so weit gefallen, dass an manchen Stellen nur noch Steine, vertrocknete Pflanzenreste und sogar tote Fische zu sehen sind. Umweltminister Gheorghe Hadjder spricht laut Berichten von einer kritischen Lage an allen Flüssen der Region.
Wasser wird zum Risiko
Betroffen ist nicht nur der Dnister, sondern auch Donau und Pruth. Besonders heikel: Der Dnister ist wichtig für die Wasserversorgung der Hauptstadt Chisinau. Präsidentin Maia Sandu warnte demnach bereits, dass es bald zu Versorgungsengpässen kommen könnte. Für das Land zwischen Rumänien und der Ukraine wird die Trockenheit damit zunehmend zu einem Problem, das weit über Umweltfragen hinausgeht.
Notstand wegen hoher Energiekosten
Parallel dazu verschärft sich die Energiekrise. Moldau ist fast vollständig auf Importe angewiesen. Nach Angaben des Energieexperten Sergiu Tofilat sind die Preise zuletzt im Zuge des Krieges zwischen Iran und den USA stark gestiegen. Das trifft die Menschen besonders hart, weil Haushalte in Moldau für Gas und Strom ähnlich viel zahlen wie Verbraucher in Europa, ihre Einkommen aber deutlich niedriger sind.
Das Parlament in Chisinau hat deshalb mit großer Mehrheit einen 60-tägigen Energienotstand ausgerufen. Die Regierung kann damit notfalls Energie und Wasser rationieren und gezielt verteilen.
- Moldau kämpft gleichzeitig mit Dürre und Energiekrise.
- Der Dnister ist wichtig für die Versorgung von Chisinau.
- Die Regierung kann im Notstand Wasser und Energie rationieren.
Die Lage wird auch politisch aufgeladen. Laut Tofilat werben prorussische Kräfte nun mit der Idee vermeintlich billiger Lieferungen aus Russland. Er hält das für unrealistisch: Über die verbliebene Turk-Stream-Verbindung gebe es keine freien Kapazitäten für Moldau. Stattdessen, so seine Forderung, brauche die Bevölkerung finanzielle Hilfe. Für den kommenden Winter sei das Land dabei auf Unterstützung aus der EU angewiesen.
Quelle: Tagesschau