Ceuta: Marokko weist Schuld ab
Nach der tödlichen Tragödie an der spanischen Exklave Ceuta macht Marokko vor allem Falschinformationen in sozialen Medien verantwortlich. Das Innenministerium verweist zudem auf Menschenhändler und missverstandene Rechtsinfos.

Drei Tage nach dem tödlichen Massenandrang auf die spanische Exklave Ceuta hat sich nun auch das marokkanische Innenministerium offiziell geäußert. Die Behörde sieht die Hauptursache der Ereignisse nicht bei sich selbst, sondern vor allem in irreführenden Inhalten in sozialen Medien. Über Plattformen wie TikTok, Facebook und Instagram seien Menschen gezielt dazu bewegt worden, nach Ceuta aufzubrechen.
Marokko verweist auf digitale Mobilisierung
Der marokkanische Journalist Ahmed Biyouzan, der sich seit Jahren mit Flucht und Migration beschäftigt, berichtet von regelrechten Kampagnen im Netz. Schon am 27. und 28. Juli seien demnach fast 800 bis 1.000 Menschen in Ceuta angekommen. In den Beiträgen sei der Eindruck vermittelt worden, die Einreise in die spanische Exklave sei besonders einfach. Hinweise auf eine direkte Steuerung durch lokale Mafia- oder Schmuggelnetzwerke habe er in diesem Fall nach eigener Einschätzung nicht gesehen.
Im staatlichen Fernsehen erklärte Innenministeriumssprecher Rachid El Khalfi, die Tragödie sei nicht spontan entstanden. Vielmehr sei sie das Ergebnis mehrerer zusammenwirkender Faktoren gewesen. Besonders wichtig sei dabei die missbräuchliche Nutzung des digitalen Raums gewesen. Außerdem hätten nach Angaben des Ministeriums auch Menschenhändler eine Rolle gespielt.
Auch Gerüchte über Rechtslage spielten mit
Nach Darstellung der marokkanischen Seite kursierten zudem falsche oder verzerrte Deutungen eines spanischen Gerichtsurteils. Dabei sei der Eindruck entstanden, Menschen, die auf See aufgegriffen werden, könnten nicht sofort zurückgeschickt werden. Diese Erzählung habe die Lage zusätzlich angeheizt.
- Soziale Netzwerke sollen den Andrang stark befeuert haben
- Fast 800 bis 1.000 Menschen kamen laut Bericht schon Ende Juli in Ceuta an
- Marokko nennt auch Menschenhändler und Gerüchte zur Rechtslage als Faktoren
In Europa dürften die Aussagen aus Rabat genau verfolgt werden. Denn weiterhin ist offen, wer politisch die Verantwortung dafür trägt, dass so viele Menschen die EU-Grenze bei Ceuta überwinden konnten — und dass dabei zahlreiche Menschen ums Leben kamen.