Artenziel gerät ins Wanken
Vor der Biodiversitätskonferenz in Armenien warnt die UNO: Die bisherigen Schritte reichen nicht aus. Weltweit sind bis zu 1 Million Arten bedroht, während erst gut 17 Prozent der Landflächen und knapp 10 Prozent der Meere geschützt sind.

Die Welt steuert beim Schutz der Artenvielfalt auf ein heikles Zwischenfazit zu. Vor der Biodiversitätskonferenz im Oktober in Armenien macht die UNO deutlich, dass die bisher ergriffenen Massnahmen nicht genügen. Dabei hatten sich fast alle Staaten 2022 in Montreal auf ein gemeinsames Ziel verständigt: Bis 2030 sollen mindestens 30 Prozent der Land- und Meeresflächen unter Schutz stehen.
Eine Million Arten in Gefahr
Der Abstand zu diesem Ziel ist laut Einordnung von SRF-Wirtschaftsredaktor Klaus Ammann noch gross. Der Verlust von Arten und die Zerstörung ganzer Ökosysteme gingen fast ungebremst weiter. Von weltweit geschätzt 8 Millionen Arten gelten demnach bis zu 1 Million als vom Aussterben bedroht. Das Abkommen von Montreal umfasst insgesamt 23 Ziele, darunter auch den Abbau umweltschädlicher Subventionen.
Auf dem Papier ist das 30-Prozent-Ziel noch erreichbar, praktisch aber wird die Zeit knapp. Derzeit sind weltweit erst gut 17 Prozent der Landflächen und nur knapp 10 Prozent der Meeresflächen formell geschützt. Hinzu kommt ein weiteres Problem: Forschende warnen, dass Schutz in vielen Fällen nur formal existiert. Ausserdem würden indigene Gemeinschaften in betroffenen Gebieten vielerorts nicht ausreichend einbezogen.
Geld und Kontrolle werden zur Schlüsselfrage
Damit die Konferenz in Eriwan mehr wird als ein weiterer Appell, braucht es vor allem Finanzierung und überprüfbare Umsetzung. Den Entwicklungsländern wurden jährlich 30 Milliarden Dollar zugesagt. Als mögliche Quellen nennt Ammann drei Wege:
- Gelder aus Entwicklungszusammenarbeit und multilateralen Institutionen
- die Umlenkung umweltschädlicher Subventionen
- mehr privates Kapital, weil staatliche Mittel allein nicht reichen
Auch für Unternehmen werden neue Instrumente diskutiert, etwa Biodiversitätszertifikate. Das Prinzip erinnert an den CO₂-Handel: Wenn zum Beispiel ein Moor wieder vernässt wird, kann eine unabhängige Stelle dies bestätigen und ein handelbares Zertifikat ausstellen. Der entscheidende Unterschied: Beim Artenschutz zählt der konkrete Ort. Genau deshalb gilt das Treffen in Armenien als Richtungsentscheid dafür, ob aus Versprechen endlich messbare Schritte werden.
Quelle: SRF