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Politik13. August 2026, 15:01 Uhr · von Redaktion

Armee räumt – Familien sollen weg

Im Ort Kusra im nördlichen Westjordanland hat die israelische Armee laut Berichten rund 20 palästinensische Familien aufgefordert, ihre Häuser zu verlassen. Zuvor hatten Siedler dort seit Tagen Wohnhäuser blockiert und belagert.

Armee räumt – Familien sollen weg

Im nordwestlich gelegenen Ort Kusra im Westjordanland spitzt sich die Lage weiter zu: Nach Berichten aus der Region hat die israelische Armee bei einem Einsatz gegen extremistische jüdische Siedler etwa 20 palästinensische Familien aufgefordert, ihre Häuser zu verlassen. Betroffen sind auch Bewohner, deren Häuser nach Angaben aus dem Ort seit Tagen von Siedlern blockiert werden.

Belagerung trotz Einsatz der Armee

Schon in der Nacht waren Soldaten und Polizeikräfte in Kusra im Einsatz, um Siedler zum Verlassen des Gebiets zu bewegen. Laut Berichten wurden dabei illegale Außenposten geräumt, Zelte entfernt und ein Israeli festgenommen. Trotzdem sollen sich weiterhin mehrere Siedler vor Ort aufhalten. Die israelischen Streitkräfte teilten lediglich mit, dass der Vorfall in Kusra noch andauere.

Ein Bewohner schilderte die Situation als völlige Abriegelung mehrerer Haushalte. Straßen seien unpassierbar, niemand könne hinein oder hinaus. Nach seiner Darstellung fehle es vor allem an Zugang zu Lebensmitteln, Wasser und Hilfe. Videos aus dem Ort sollen zeigen, wie Siedler einen Zaun beschädigen, Steine auf eine Straße werfen und ein provisorisches Zelt errichten. Auf weiteren Aufnahmen ist Streit zwischen Siedlern und israelischen Soldaten zu sehen.

UN warnt vor wachsender Gewalt

Dass ein für das Westjordanland zuständiger General am Mittwoch selbst nach Kusra kam, gilt als ungewöhnlich. Menschenrechtsorganisationen in Israel werfen der Armee seit längerem vor, bei Übergriffen radikaler Siedler auf Palästinenser oft nicht einzugreifen. Auch von UN-Seite kommt scharfe Kritik: Die Gewalt durch Siedler habe inzwischen ein beispielloses Ausmaß erreicht.

  • Mehr als 1.430 Vorfälle mit Beteiligung israelischer Siedler wurden laut UN in diesem Jahr dokumentiert.
  • Rund 260 palästinensische Ortschaften waren demnach betroffen.
  • Die Vorfälle führten zu Verletzten, Sachschäden oder beidem.

Ein wichtiger Faktor sind dabei sogenannte Außenposten, von denen aus Siedler laut Nichtregierungsorganisationen häufig operieren. Nach deren Schätzungen wurden seit dem Amtsantritt von Benjamin Netanjahu mit seinen teils rechtsextremen Koalitionspartnern rund 230 bis 240 neue Außenposten gegründet.