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Politik6. August 2026, 19:03 Uhr · von Redaktion

Anklage nach tödlichen Schüssen

Im Westjordanland ist erstmals seit dem 7. Oktober 2023 wieder ein israelischer Siedler wegen tödlicher Gewalt gegen einen Palästinenser angeklagt worden. Dem 33-Jährigen wird der Tod des Aktivisten Awdah Hathaleen vorgeworfen.

Anklage nach tödlichen Schüssen

Im Westjordanland hat die israelische Justiz einen 33-jährigen Siedler wegen der Tötung des palästinensischen Aktivisten Awdah Hathaleen angeklagt. Laut Anklageschrift geht es um fahrlässige Tötung. Zusätzlich werden dem Mann bewaffneter Hausfriedensbruch und vorsätzliche Sachbeschädigung zur Last gelegt.

Der Fall geht auf einen Vorfall im Juli des vergangenen Jahres in der Nähe von Hebron zurück. Nach Darstellung der Anklage soll der Beschuldigte während einer Konfrontation mit Bewohnern eines palästinensischen Dorfes in eine Menschenmenge geschossen haben. Zeugenaussagen zufolge wurde dabei der Englischlehrer Hathaleen tödlich getroffen.

Aktivist mit internationaler Bekanntheit

Hathaleen war nicht nur Lehrer, sondern auch als palästinensischer Aktivist bekannt. Internationale Aufmerksamkeit bekam sein Fall auch deshalb, weil er an dem 2025 mit einem Oscar ausgezeichneten Film „No Other Land“ mitgewirkt hatte. Der Film zeigt den Kampf palästinensischer Bewohner um den Schutz ihrer Häuser und Dörfer. Videos, die den Moment der mutmaßlichen Schüsse festgehalten haben sollen, lösten weltweit Forderungen nach strafrechtlichen Konsequenzen aus.

  • Ort des Vorfalls: Nähe von Hebron
  • Vorwurf: fahrlässige Tötung
  • Weitere Punkte: Hausfriedensbruch mit Waffe, Sachbeschädigung

Seltene Anklage im Westjordanland

Brisant ist der Fall auch wegen seiner politischen Dimension. Nach Angaben der israelischen Menschenrechtsorganisation B’Tselem ist es die erste Anklage dieser Art seit dem 7. Oktober 2023. In den vergangenen Jahren sei die israelische Justiz nur selten gegen Siedlergewalt gegen Palästinenser vorgegangen. B’Tselem erklärt, seitdem seien im Gebiet mindestens 1.100 Palästinenser durch israelische Siedler und Soldaten getötet worden.

Der nun Angeklagte gehörte bereits zu mehreren Siedlern, gegen die die USA und weitere westliche Staaten 2024 Sanktionen wegen Gewaltvorwürfen verhängt hatten. Diese Maßnahmen wurden jedoch nach dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump im Folgejahr wieder aufgehoben.