Alarm um Autos aus China
In der Schweiz gelten für vernetzte Autos neue Einschränkungen nahe sensibler Militärstandorte. Der Nachrichtendienst warnt besonders bei chinesischen Modellen vor möglichen Zugriffe auf Fahrzeugdaten und Gespräche.

Die Schweiz verschärft den Blick auf vernetzte Autos – vor allem dann, wenn sie sich in der Nähe besonders sensibler Anlagen bewegen. Wie das Westschweizer Radio und Fernsehen RTS berichtet, dürfen internetverbundene Fahrzeuge nicht mehr überall in der Umgebung heikler Standorte des Verteidigungsdepartements unterwegs sein. Genannt wird unter anderem das Zentrum für elektronische Kriegsführung in Zimmerwald bei Bern. Das VBS wollte sich auf Nachfrage nicht im Detail dazu äussern und verwies darauf, dass die Schutzmassnahmen von Ort zu Ort unterschiedlich seien.
Geheimdienst warnt vor Datenspuren
Hintergrund ist eine Warnung des Nachrichtendienstes des Bundes in seinem Jahresbericht. Dort werden vernetzte Fahrzeuge, insbesondere solche aus China, als mögliches Sicherheitsproblem eingestuft. NDB-Direktor Serge Bavaud hatte Ende Juni öffentlich dazu geraten, dass für Spione interessante Personen besser kein chinesisches vernetztes Auto nutzen sollten. Seine Begründung: Solche Fahrzeuge funktionierten im Prinzip wie Smartphones auf Rädern – inklusive möglicher Zugriffe auf aufgezeichnete Daten und sogar Gespräche.
RTS hat sich bei einem Händler der chinesischen Marke BYD in Genf angesehen, wie stark diese Autos tatsächlich digital vernetzt sind. Dort war von Fernsteuerung, Kameras rund um das Fahrzeug und Mikrofonen im Innenraum die Rede, etwa für Sprachbefehle. In der Kundschaft scheint die Sorge trotzdem begrenzt zu sein: Die ständige Vernetzung wird eher als Komfortgewinn wahrgenommen.
Druck wächst auch im Ausland
BYD bestreitet auf Anfrage von RTS, Daten nach China zu übermitteln, und verweist auf die Einhaltung europäischer und schweizerischer Datenschutzregeln. Andere chinesische Hersteller reagierten demnach gar nicht oder verweisen online ebenfalls auf europäische Standards.
- In Deutschland sollen Geheimdienste mehrere chinesische Marken getestet haben.
- Das Bundesland Bayern hat eine Untersuchung eingeleitet.
- In den USA untersagte Präsident Biden 2025 die Einfuhr chinesischer und russischer vernetzter Fahrzeuge sowie entsprechender Software.
Die Debatte trifft einen Markt, der ohnehin unter Spannung steht: Autos aus chinesischer Entwicklung und Produktion setzen europäische Hersteller mit günstigen Preisen zunehmend unter Druck. Genau deshalb dürfte das Thema Sicherheit jetzt noch brisanter werden.