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Sport15. Juli 2026, 11:01 Uhr · von Redaktion

Warum Argentiniens Fans entgleisen

Bei der Fußball-WM sind argentinische Fans mehrfach mit rassistischen Gesängen und Gesten aufgefallen. Laut SRF-Korrespondentin Karen Naundorf steckt dahinter nicht nur Fußballprovokation, sondern ein tief verwurzeltes gesellschaftliches Selbstbild.

Warum Argentiniens Fans entgleisen

Argentinische Fans sorgen bei der Fußball-WM mit rassistischen Gesängen und Gesten für Schlagzeilen. Laut Karen Naundorf, Südamerika-Korrespondentin des SRF, sind die Vorfälle kein Ausrutscher einzelner Gruppen, sondern Ausdruck von Denkmustern, die in der Gesellschaft tiefer verankert sind und im Stadion besonders laut werden.

Die offensten Angriffe richten sich demnach gegen schwarze Menschen. Schwarze Spieler und Fans werden mit Affengesten oder dem Begriff „Macaco“ beleidigt, traditionell besonders Brasilianer. Auch schwarzen Europäern wird ihre nationale Zugehörigkeit abgesprochen. Dazu kommen im argentinischen Vereinsfußball abwertende Gesänge gegen Menschen mit indigener Herkunft oder aus armen Verhältnissen.

Mehr als nur Stadionprovokation

Nach Einschätzung von Naundorf entsteht dieser Rassismus nicht erst im Fußball. Das Stadion sei vielmehr ein Ort, an dem gesellschaftliche Vorurteile ungefiltert herausbrechen. Abwertung werde in Argentinien häufig über mehrere Ebenen zugleich transportiert: Hautfarbe, Herkunft und soziale Klasse. Selbst Begriffe wie „Bolivianer“ oder „Paraguayer“ könnten als Schimpfwort benutzt werden, auch wenn Betroffene gar nicht aus diesen Ländern stammen.

  • Beleidigungen gegen schwarze Spieler und Fans
  • Abwertung über Herkunft und Hautfarbe
  • Beschimpfungen gegen arme oder indigene Gruppen

Ein altes Selbstbild wirkt bis heute nach

Ein wichtiger Unterschied zu anderen Ländern Südamerikas liegt laut SRF im argentinischen Selbstverständnis. Seit dem 19. Jahrhundert habe die politische und intellektuelle Elite das Land gezielt als weiße, europäisch geprägte Nation dargestellt. Während europäische Einwanderung gefördert wurde, seien indigene Geschichte und die Präsenz schwarzer Menschen aus den nationalen Erzählungen verdrängt worden. Das Bild vom moderneren und gebildeteren Ausnahmefall des Kontinents wirke bis heute nach.

In Argentinien selbst fallen die Reaktionen auf solche Vorfälle geteilt aus. Es gibt Medien, antirassistische Organisationen und auch Fans, die die Gesänge klar verurteilen. Gleichzeitig würden viele die Entgleisungen als harmlose Fußballfolklore, Witz oder reine Provokation kleinreden. Genau darin liegt laut der Analyse das Problem: Rassismus werde grundsätzlich verurteilt, im konkreten Fall aber oft relativiert oder verschwiegen.