Warten auf Tote in Gaza
Im Gazastreifen liegen laut Tagesschau noch immer Tausende Tote unter Trümmern. Fehlende Maschinen, Treibstoff und Möglichkeiten zur Identifizierung verzögern Bergung und Abschied für viele Familien über Jahre.

Foto: Jaber Jehad Badwan / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0
Große Teile des Gazastreifens sind zerstört, doch für viele Familien ist die Katastrophe auch Jahre nach einzelnen Angriffen nicht vorbei. Unter eingestürzten Häusern und tonnenschweren Betonplatten liegen nach wie vor Tausende Tote, die nicht geborgen werden können. Es fehlt an schwerem Gerät, an Treibstoff und an funktionierenden Strukturen, um die Leichen später überhaupt zu identifizieren.
Familien warten seit Jahren
Wie belastend diese Lage ist, zeigt der Fall von Saleh Al Arabid. Bei einem israelischen Luftschlag im Dezember 2023 verlor er fast seine gesamte Familie. Noch immer liegen mehrere Leichen im zerstörten Haus. Die Menschen vor Ort können gegen die massiven Trümmer kaum etwas ausrichten. Behörden und Zivilschutz seien informiert, doch Maschinen und Geräte stünden wegen der knappen Ressourcen nicht ausreichend zur Verfügung.
Die militärische Lage und die Blockade erschweren Hilfe zusätzlich. Der Import von Treibstoff, Ersatzteilen und neuen Baumaschinen wird immer wieder verhindert. Dadurch ist eine flächendeckende Unterstützung laut Bericht praktisch unmöglich. Internationale Organisationen können nur punktuell helfen, wenn es die Sicherheitslage erlaubt.
Bergung ist nur der erste Schritt
Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz versucht, die Kräfte vor Ort zu entlasten. Mitarbeiterin Amani Al Naouq erklärt, dass Unterstützung vor allem dann möglich ist, wenn bekannt ist, wo sich Verstorbene befinden. Dann werde etwa gemietetes schweres Gerät bereitgestellt, um die Bergung zu ermöglichen.
- Es fehlt an schwerem Gerät und Treibstoff.
- Viele Leichen sind unter eingestürzten Gebäuden eingeschlossen.
- Auch nach einer Bergung bleibt die Identifizierung oft schwierig.
Denn selbst wenn Tote geborgen werden, beginnt für Angehörige oft das nächste Problem: die Identifikation. Viele Körper sind durch Explosionen und die lange Zeit unter den Trümmern stark entstellt. Verfahren wie DNA-Tests oder der Abgleich mit Zahnarztakten wären in Friedenszeiten ein Weg. Im kollabierten Gesundheitssystem von Gaza sind solche Untersuchungen jedoch kaum möglich.
Quelle: Tagesschau