Pogacar spielt mit allen
Tadej Pogacar prägt die Tour de France schon in den ersten Tagen. Der Favorit gab Gelb offenbar bewusst wieder ab, gewann bereits seine 22. Etappe und lässt die Konkurrenz rätseln.

Tadej Pogacar hat der Tour de France schon früh seinen Stempel aufgedrückt – und sorgt dabei nicht nur sportlich für Gesprächsstoff. Der Slowene trug das Gelbe Trikot gerade erst, gab es aber nach nur einem Tag wieder ab und fiel im Gesamtklassement auf Rang vier zurück. Der Rückstand beträgt nun knapp acht Minuten. Doch nach Sorge sieht das nicht aus: Vielmehr deutet alles darauf hin, dass der viermalige Toursieger ganz bewusst auf Entlastung setzte.
Der Grund ist simpel: Wer in Gelb fährt, hängt nach der Etappe noch lange in Siegerehrungen und Medienterminen fest. Laut Pogacar kann das an manchen Tagen viel Stress bedeuten. So sparte er sich offenbar rund anderthalb Stunden Zusatzprogramm – und gewann vor allem eines: Erholung. Für einen Fahrer, der das Maillot Jaune bereits 55 Mal getragen hat, wirkt dieser Schritt eher wie Routine als wie Risiko.
Geschenk oder Machtdemonstration?
Auch auf der Straße sendet Pogacar klare Signale. Beim Teamzeitfahren in Barcelona landete seine Mannschaft zwar nur auf Platz drei, auf dem letzten Abschnitt mit dem Anstieg nach Monjuïc und weiter zum Olympiastadion setzte er jedoch die Bestzeit und sicherte sich damit das gepunktete Trikot. Auf der folgenden hügeligen Etappe überließ er den Sieg dann seinem Helfer Isaac del Toro – ein Moment, der unterschiedlich gelesen wird.
- selbstlos gegenüber dem Teamkollegen
- taktisch klug mit Blick auf Loyalität in den Bergen
- oder demonstrativ überlegen gegenüber der Konkurrenz
Fest steht: Einen Tag später verteilte Pogacar keine Geschenke mehr. Mit einem explosiven Antritt bergauf gewann er die dritte Etappe und feierte damit seinen 22. Tour-Etappensieg. So früh hatte er bei der Frankreich-Rundfahrt noch nie zugeschlagen. In den beiden Jahren zuvor war sein erster Tageserfolg jeweils erst am vierten Tag gekommen.
Die Rivalen hoffen trotzdem
Trotz seiner Dominanz ist die Tour damit noch nicht entschieden. Bis tief in die zweite Woche dürfte es im Klassement laut Ausgangslage ohnehin kaum große Verschiebungen geben. Klar ist aber schon jetzt: Pogacar fährt nicht einfach nur stark – er kontrolliert das Rennen, setzt Akzente nach Belieben und lässt offen, ob dahinter vor allem Cleverness, Teamgeist oder pure Überlegenheit steckt.
Foto: tagblatt