Hitzefalle am Matterhorn
Am Matterhorn spitzt sich die Lage im Hitzesommer zu: Fast kein Schnee, mehr loses Geröll und wachsende Steinschlaggefahr. Bergführer in Zermatt stoppen deshalb vorerst Touren mit unbekannten Gästen.

Der Hitzesommer verändert die Bedingungen in den Alpen deutlich – und am Matterhorn zeigt sich das besonders drastisch. Der 4478 Meter hohe Berg ist derzeit fast komplett schnee- und eisfrei. Was auf den ersten Blick nach guten Kletterverhältnissen aussehen könnte, sorgt bei Fachleuten vor Ort für Alarm: Ohne Schnee und Eis fehlt dem lockeren Gestein oft der Halt, die Gefahr durch Steinschlag steigt.
Auch der Schweizer Bergführerverband sieht die Entwicklung kritisch. Präsidentin Rita Christen warnt davor, dass viele Hochtouren durch die starke Ausaperung riskanter und technisch anspruchsvoller werden. Gemeint ist damit, dass Schnee- und Eisdecken vollständig abschmelzen und der Untergrund freiliegt. Gerade in hochalpinem Gelände kann das erhebliche Folgen für Sicherheit und Routenwahl haben.
Problem ist oft der Mensch
Am Matterhorn liegt das Problem laut Rettungsspezialist Robert Andenmatten von Air Zermatt aber nicht nur in der Hitze selbst. Kritisiert wird vor allem das Verhalten unerfahrener Bergsteigerinnen und Bergsteiger. Wer das Gehen am kurzen Seil nicht beherrscht und das Seil weit über den Fels schleifen lässt, kann dadurch Steine lostreten – mit gefährlichen Folgen für andere Seilschaften am Berg.
- kaum Schnee und Eis im Gipfelbereich
- mehr loses Geröll an den Hängen
- hohes Risiko durch ausgelöste Steine
Wie ernst die Lage ist, zeigt auch ein tödlicher Unfall vom Sonntag: Zwei Alpinisten stürzten beim Abstieg über den Hörnligrat auf rund 4030 Metern in die Tiefe. Die Ursache ist noch unklar, die Walliser Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen aufgenommen. Hüttenwartin Edith Lehner kritisiert zudem, dass immer mehr Menschen den ikonischen Berg eher als Kulisse für soziale Medien sehen – und nicht als anspruchsvolles alpines Ziel.
Bergführer ziehen Konsequenzen
Die Zermatter Bergführerinnen und Bergführer haben deshalb reagiert. Vorübergehend vermitteln sie keine Matterhorn-Touren mehr an Gäste, die ihnen nicht bekannt sind. Ziel ist es, den Andrang zu bremsen und das Unfallrisiko zu senken. Viele einheimische Bergführer verzichten aktuell ohnehin weitgehend auf Besteigungen – und wenn doch, dann nur mit langjährigen Privatgästen, um möglichst schnell und kontrolliert unterwegs zu sein.