Hitze-Alarm in den Alpen
Der Schweizer Alpen-Club warnt vor heiklen Bedingungen im Hochgebirge. In den Alpen sind viele Gletscher bereits stark ausgeapert, Spalten offener und manche Übergänge kaum noch passierbar.

Wer in diesen Tagen in den Alpen unterwegs ist, sollte besonders aufmerksam planen: Der Schweizer Alpen-Club SAC warnt vor deutlich veränderten Bedingungen im Hochgebirge. Hintergrund sind ein schneearmer Winter, ein sehr warmer Frühling und anhaltende Hitzeperioden. Dadurch sind viele Gletscher schon ungewöhnlich früh stark ausgeapert – also weitgehend von ihrer schützenden Schneedecke befreit.
Blankes Eis statt sicherer Schneedecke
Nach Einschätzung von Severin Karrer, Bergführer und beim SAC für die Ausbildung im Bergsport zuständig, erschwert das vor allem die Orientierung auf klassischen Routen. In vielen Gebieten sind Spaltenzonen bereits offen oder nur noch von einer sehr dünnen Schneeschicht bedeckt. Auch Bergschründe, also die heiklen Übergänge zwischen Eis und Fels, sind vielerorts schon offen – teils so stark, dass sie kaum oder gar nicht mehr passierbar sind.
Das erhöht mehrere Risiken gleichzeitig. Wer sich auf Erfahrungen aus früheren Sommern verlässt, kann die Lage leicht falsch einschätzen. Der SAC macht vor allem auf diese Gefahren aufmerksam:
- Spaltensturz durch dünne oder fehlende Schneeauflage
- Abrutschen oder Abstürzen auf steilen Passagen aus blankem Eis
- Schwierigeres Finden der üblichen Routen
- Mehr loses Geröll und instabile Geländeabschnitte
Nicht nur Bergsteiger betroffen
Die Warnung richtet sich nicht nur an Alpinisten. Zwar betreffen offene Gletscherspalten vor allem Bergsteiger, doch laut SAC können auch Wanderer in Mitleidenschaft gezogen werden. Wo die Schneeschicht fehlt, kommt mehr Fels zum Vorschein – darunter auch loses Material. Zusätzlich spielt der auftauende Permafrost eine Rolle: Er kann Hänge und Felsbereiche instabiler machen und die Steinschlaggefahr erhöhen.
Die zentrale Botschaft des SAC ist deshalb klar: Wer jetzt in die Berge geht, sollte aktuelle Bedingungen sorgfältig prüfen und sich nicht auf bekannte Routenbilder aus den vergangenen Jahren verlassen. Gerade im Hochgebirge können sich Verhältnisse derzeit schneller und gravierender verändert haben als viele erwarten.