Neuendorf fordert Infantino-Rot
DFB-Präsident Bernd Neuendorf verschärft in Berlin den Ton gegen Fifa-Chef Gianni Infantino. Vor dem Uefa-Treffen der 55 Verbände nennt er den Schweizer nicht mehr tragbar und kündigt an, im März nicht für ihn zu stimmen.

Foto: Wikimedia Commons / Raimond Spekking, CC BY-SA 4.0
Der Machtkampf an der Spitze des Weltfußballs wird schärfer: DFB-Präsident Bernd Neuendorf greift Fifa-Chef Gianni Infantino nun frontal an und fordert offen dessen Abgang. In einem Interview mit dem Tagesspiegel sagte Neuendorf, man müsse Infantino „vom Platz stellen“. Für den deutschen Verbandschef ist klar: Der Schweizer habe dem Fußball massiv geschadet und sei als Präsident nicht länger haltbar.
Besonders brisant: Neuendorf kündigte an, im März nicht für Infantino zu stimmen. Beim Deutschen Fußball-Bund herrsche Einigkeit darüber, dass der Fifa-Boss das Vertrauen verspielt habe. Die Aussagen kommen unmittelbar vor einem Treffen aller 55 Uefa-Mitgliedsverbände an diesem Mittwoch in Berlin – ein Termin, der im Machtpoker um die Zukunft der Fifa zusätzliches Gewicht bekommt.
Kritik an Reform-Offerte
Infantino hatte seinen Kritikern zuletzt Gespräche über mögliche Reformen angeboten. Geplant sind laut seinem Brief unter anderem eine externe Überprüfung der Fifa-Governance und Beratungen über stärkere Entscheidungsprozesse – ausdrücklich auch über die Rolle des Präsidenten. Gleichzeitig machte der 56-Jährige aber deutlich, dass er die Fifa weiter führen will. Von einem Rückzug vor der Präsidentschaftswahl im März 2027 in Marokko ist keine Rede.
Neuendorf hält diese Initiative für ein taktisches Manöver. Aus seiner Sicht geht es Infantino vor allem darum, seine Wiederwahl abzusichern. Der DFB-Präsident warnte zudem davor, ausgerechnet den Verantwortlichen für die aktuellen Zustände auch noch den Umbau des Verbands leiten zu lassen.
Wahlkampf ohne Gegenkandidaten
Bislang steht Infantino trotz wachsender Kritik noch ohne Gegenkandidaten da. Seine Gegner um Uefa-Präsident Aleksander Ceferin drängen auf einen Verzicht auf eine vierte Amtszeit. Spätestens bis 18. November müsste jedoch ein Herausforderer nominiert werden, damit es drei Monate später bei der Wahl in Marokko tatsächlich zum Duell kommt.
- Mittwoch: Treffen der 55 Uefa-Verbände in Berlin
- 18. November: Frist für Kandidaturen
- März 2027: Fifa-Kongress und Präsidentenwahl in Marokko
Schon Ende August war der Konflikt eskaliert. Damals stand sogar ein möglicher Strafantrag vor Schweizer Gerichten im Raum – im Zusammenhang mit den umstrittenen WM-Investorenplänen gegen Infantino. Dafür wurden auch bei US-Gerichten Informationen zu den geplanten Geschäften angefragt.
Quelle: SRF