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Politik20. Oktober 2026, 15:01 Uhr · von Redaktion

EU macht Ernst im Eis

Die EU will heute eine neue Arktis-Strategie vorstellen. Hintergrund sind der Klimawandel, neue Handelsrouten, wichtige Rohstoffe und die wachsende militärische Bedeutung der Region für Europa.

EU macht Ernst im Eis

Die EU richtet ihren Blick stärker auf den hohen Norden: Heute soll eine eigene Strategie für die Arktis vorgestellt werden. In Brüssel ist die Einschätzung klar: Was dort klimatisch, wirtschaftlich und sicherheitspolitisch passiert, betrifft längst nicht mehr nur entlegene Polarregionen, sondern ganz Europa.

Der Druck wächst, weil sich die Lage rasant verändert. Durch das schmelzende Eis werden in den kommenden Jahren bestehende Seewege besser nutzbar, zugleich könnten neue Handelsrouten entstehen. Auch wirtschaftlich wird die Region interessanter, weil Rohstoffe leichter erreichbar werden. Genannt werden in dem Zusammenhang unter anderem Erdöl, Erdgas sowie Metalle wie Eisen, Kupfer und Nickel. Unter grönländischem Boden werden zudem große Vorkommen an Seltenen Erden vermutet, die für Zukunftstechnologien und die Energiewende in Europa wichtig sind.

Rohstoffe, Routen, Risiken

  • Bessere Schiffsrouten schon im kommenden Jahrzehnt
  • Leichterer Zugang zu Energie- und Metallvorkommen
  • Wachsende Bedeutung für Europas Versorgung und Industrie

Beim Arktis-Gipfel in Lappland hatte Bundeskanzler Friedrich Merz die Region als besonders kritischen Bereich Europas bezeichnet. Auch EU-Ratspräsident Antonio Costa machte dort deutlich, dass die Entwicklungen im Norden keine rein regionale Angelegenheit seien. Denn neben wirtschaftlichen Fragen geht es zunehmend um Machtpolitik und Sicherheit.

Auch militärisch im Fokus

Die USA wollen ihre Präsenz auf Grönland in Absprache mit Dänemark ausbauen, Russland reaktiviert frühere sowjetische Militäranlagen in der Arktis. Merz sprach zudem von hybriden Aktivitäten Russlands in der Region. Dazu kommt ein weiterer strategischer Punkt: Aktuell laufen 90 Prozent des Datenverkehrs zwischen Europa und Asien über Kabel im Roten Meer. Fachleute halten deshalb Kabelverbindungen durch die Arktis für eine denkbare Alternative, um Datenwege robuster und schneller zu machen.

Für die EU ist die Arktis damit mehr als ein Klimathema. Es geht um Sicherheit, Infrastruktur, Forschung und Versorgung zugleich. Die neue Strategie soll genau darauf eine Antwort geben — und Europas Rolle im Norden deutlich stärken.

Quelle: Tagesschau