Demokraten setzen auf die Mitte
Nach dem Midterm-Erfolg in den USA wächst bei den Demokraten der Streit über den künftigen Kurs. Trotz Rückenwind für Linke wie Abdul El-Sayed setzen Hakeem Jeffries und Chuck Schumer weiter auf einen moderaten Weg.

Foto: Democratic National Committee / Wikimedia Commons, Public domain
Nach dem Erfolg bei den US-Midterms ist bei den Demokraten längst nicht nur Feierlaune angesagt. Innerhalb der Partei bahnt sich ein neuer Richtungsstreit an: Der linke Flügel sieht sich durch den Sieg von Abdul El-Sayed im umkämpften Bundesstaat Michigan bestätigt. Für viele Progressive ist das ein Signal, dass auch klar linke Kandidaten in wichtigen Rennen gewinnen können.
Ganz so eindeutig ist das Bild aber nicht. In Michigan setzte sich zugleich auch eine moderate Demokratin bei der Gouverneurswahl durch – und zwar mit einem besseren Ergebnis als El-Sayed. Genau darin sehen Beobachter den entscheidenden Punkt: Die Demokraten waren bei diesen Zwischenwahlen offenbar vor allem dann erfolgreich, wenn ihre Kandidaten politisch und kulturell gut zu den jeweiligen Regionen passten.
Experten sehen Vorteil bei gemäßigtem Kurs
Die Politologin Elaine Karmack von der Denkfabrik Brookings bremst deshalb die Euphorie im linken Lager. Ihrer Einschätzung nach ist die politische Stimmung in den USA seit Jahrzehnten eher Mitte-Rechts als Mitte-Links. Zwar hätten sowohl linke als auch moderate Bewerber gewonnen. Doch es habe deutlich mehr gemäßigte Kandidaten gegeben – und genau das spreche für die Breite des Erfolgsmodells.
- Linke Kandidaten konnten Siege feiern
- Gemäßigte Kandidaten waren zahlenmäßig stärker vertreten
- Regionale Passgenauigkeit spielte eine zentrale Rolle
Auch die Parteispitze im Kongress will diesen Kurs nicht aufgeben. Hakeem Jeffries und Chuck Schumer machten klar, dass sie sich dem Druck von links nicht einfach beugen wollen. Aus ihrer Sicht haben die Wähler den Demokraten die Mehrheit nicht für ideologische Wunschlisten gegeben, sondern für konkrete Aufgaben im Alltag.
Schwerpunkt auf Alltagsthemen
Im Zentrum stehen nach Darstellung der Parteiführung vor allem drei Punkte:
- die Lebenshaltungskosten senken
- Korruption in der Regierung bekämpfen
- Donald Trump politisch in Schach halten
Trotz des Wahlerfolgs dürfte der Machtkampf in der Partei also erst beginnen. Denn bei den anstehenden Entscheidungen über die Spitzenposten in Repräsentantenhaus und Senat müssen Jeffries und Schumer mit Gegenwind rechnen – vor allem aus dem linken Lager, das seinen Moment gekommen sieht.
Quelle: Tagesschau