Belvedere holt Klien ins Rampenlicht
Das Wiener Belvedere widmet Erika Giovanna Klien ab Freitag eine große Herbstausstellung. Mit rund 300 Exponaten ist es die erste Klien-Personale seit fast 40 Jahren und die bislang umfassendste Schau zur Hauptvertreterin des Wiener Kinetismus.

Das Belvedere in Wien rückt ab Freitag eine Künstlerin ins Zentrum, die hierzulande zwar bekannt ist, international aber noch immer als Entdeckung gilt: Erika Giovanna Klien. Die Herbstausstellung im Unteren Belvedere zeigt mit rund 300 Exponaten die bisher umfassendste Schau zu ihrem Werk. Gleichzeitig ist es die erste große Personale der 1900 geborenen Künstlerin seit fast 40 Jahren.
Bewegung als Lebensmotiv
Klien gilt als wichtigste Vertreterin des Wiener Kinetismus. Im Mittelpunkt ihres Schaffens stand die Frage, wie sich Bewegung bildnerisch fassen lässt. Besonders deutlich wird das gleich im ersten Raum der Ausstellung: Dort hat Kuratorin Verena Gamper 18 Arbeiten zum Motiv des fliegenden Vogels versammelt, entstanden zwischen 1925 und 1957. Von eher gegenständlichen frühen Bildern bis zu immer abstrakteren Arbeiten der 1950er Jahre zeigt sich, wie konsequent Klien Flug, Schweben und Sturz in geometrisch präzise Kompositionen übersetzte.
Zu den bekanntesten Werken dieser Werkgruppe zählt „Abtauchender Vogel“ (1939), das sonst in der Dauerausstellung des Hauses zu sehen ist. Nun bildet es einen der Höhepunkte der großen Überblicksschau. Bereits Ausstellungen zum Wiener Kinetismus im Wien Museum 2006 und im Belvedere 2011 hatten neues Interesse an Klien geweckt.
Zwischen Maschine, Tanz und Typografie
Die Ausstellung ist thematisch gegliedert und blickt auch auf Kliens Ausbildung an der Kunstgewerbeschule, aus deren Umfeld der Wiener Kinetismus hervorging. In der Klasse für ornamentale Formenlehre unter Franz Cizek stand die Erforschung der „rhythmischen Existenz der Dinge“ im Zentrum. Klien setzte das besonders markant um: Sie analysierte rotierende Maschinen ebenso wie tanzende Körper, zerlegte Bewegungsabläufe und setzte sie rhythmisch neu zusammen.
- Vogelstudien von 1925 bis 1957
- Maschinenbilder wie „Mixer“ und „Fleischwolf“ aus 1935
- Arbeiten zu Tanz, Typografie und einer „infantilistischen“ Bildsprache
Stilistisch blieb Klien dabei offen. Neben Einflüssen aus Expressionismus, Kubismus und Futurismus spielte auch die Beschäftigung mit Typografie eine wichtige Rolle. Bekannt blieb ihr Werk nicht zuletzt deshalb, weil es schon ab den 1960er Jahren wieder stärker ins Licht gerückt wurde. Im internationalen Kunstkanon ist Klien laut Belvedere aber noch immer nicht fest verankert – genau das soll diese große Schau nun ändern.
Quelle: ORF