Balkan-Hype um Jakov eskaliert
Der 21-jährige Kroate Jakov Jozinovic ist der neue Popstar des Westbalkans und spielt jetzt erstmals nahe Wien. Doch ein Video mit einem Thompson-Lied hat eine Debatte über Identität und Vergangenheit in der Region neu angeheizt.

Foto: Wikimedia Commons / AleksandarRistovskiMedia, CC BY 4.0
Der Westbalkan hat einen neuen jungen Star: Jakov Jozinovic aus Kroatien ist erst 21 Jahre alt, füllt aber bereits Hallen in mehreren Ländern der Region. Bekannt wurde er zunächst mit Gesangsvideos auf YouTube, den großen Durchbruch schaffte er 2025 mit einer Neuinterpretation des Klassikers „Olivera“ von Djordje Balasevic. Inzwischen folgen ihm Hunderttausende auf Instagram und TikTok.
Zwischen Nostalgie und neuem Starkult
Am Wochenende steht für Jozinovic der nächste Karriereschritt an: Im Multiversum in Schwechat nahe Wien sind zwei Konzerte geplant. Die Show am Samstag ist laut Veranstalter längst ausverkauft, für Sonntag gibt es noch Restkarten. Im Juni erschien außerdem sein Debütalbum „Ja za cuda letim“, das in der Region erfolgreich gestartet ist.
Musikbeobachter sehen mehrere Gründe für den rasanten Aufstieg. Laut dem kroatischen Portal Muzika.hr trifft Jozinovic mit Stimme, Auftreten und Timing genau eine Lücke im Markt. Besonders wichtig sei aber seine Repertoirewahl: Er singt Stücke, die viele Menschen im ehemaligen Jugoslawien schon von früher kennen und mit einer gemeinsamen Musikkultur verbinden.
- erfolgreich in Kroatien, Serbien, Bosnien-Herzegowina, Slowenien und Montenegro
- erste Österreich-Konzerte am Wochenende in Schwechat
- Durchbruch mit Balkan-Klassikern, später erstes eigenes Album
Video löst heftige Kritik aus
Wie eng Pop und Politik in der Region weiter verbunden sind, zeigte sich Mitte Oktober. Damals tauchte in sozialen Netzwerken ein Video auf, das Jozinovic beim Singen eines Liedes des rechtsextremen kroatischen Musikers Thompson zeigen soll. Der Sänger erklärte danach, er habe „niemanden verletzen wollen“. Der Vorfall sorgte dennoch für starke Reaktionen und entfachte erneut die Diskussion über nationale Identität und die Aufarbeitung der Vergangenheit auf dem Balkan.
Gerade darin liegt auch die Brisanz seines Erfolgs: Jozinovic steht einerseits für einen frischen, grenzüberschreitenden Balkan-Pop, andererseits zeigt der Streit um das Video, wie präsent alte Konflikte in der Popkultur noch immer sind.
Quelle: ORF