Dörries Roboter sorgt für Debatte
Regisseurin Doris Dörrie erzählt in „Frau Winkler verlässt das Haus“ von einer nahen Zukunft in Hamburg, in der ein Pflegeroboter sogar beim Sterben helfen kann. Der Film verbindet Technik, Pflegekrise und die Frage nach selbstbestimmtem Lebensende.

Foto: Wikimedia Commons / usbotschaftberlin, Public domain
Doris Dörrie wagt sich mit ihrem neuen Film „Frau Winkler verlässt das Haus“ an ein heikles Thema: Sterbehilfe durch einen Roboter. Die Geschichte spielt in einem Hamburg der nahen Zukunft, das auf den ersten Blick fast unspektakulär wirkt. Roboter bringen Pakete, ein sprechender Servierwagen fährt durchs Café, auf den Straßen tauchen humanoide Maschinen auf. Mitten in dieser erstaunlich normalen Welt gerät eine ältere Frau nach einem Sturz in eine Lage, in der sie nicht mehr allein zurechtkommt.
Pflegehilfe mit End-of-Life-Modus
Weil die Tochter die Versorgung ihrer Mutter nicht dauerhaft stemmen kann, kommt ein Pflegeroboter ins Spiel. Das Besondere: Die Maschine verfügt über ein EOL-Programm – kurz für „End of Life Mode“. Der Roboter unterstützt also nicht nur im Alltag, sondern kann unter bestimmten Bedingungen auch Sterbehilfe leisten. Genau an diesem Punkt entfaltet der Film seine größte Sprengkraft.
Dörrie verbindet dabei mehrere große Fragen auf einmal. Es geht um alternde Gesellschaften wie in Deutschland, Japan oder China, um die Belastung von Familien und um die heikle Grenze zwischen freier Entscheidung und gesellschaftlichem Druck. Denn wenn Pflege immer teurer wird, steht schnell die unbequeme Frage im Raum, ob ein langes Leben im Alter für eine Gesellschaft noch tragbar erscheint.
Wenn Technik über Würde entscheidet
Im Film darf ein alter Mensch ab einem bestimmten Gesundheitszustand selbst über das eigene Lebensende entscheiden – doch diese Entscheidung lässt sich dann nicht mehr zurücknehmen. Für Dörrie liegt genau hier das Problem: Wie frei ist so eine Entscheidung wirklich, wenn wirtschaftliche Überlegungen im Hintergrund mitlaufen? Der Film denkt diese Sorge konsequent weiter und fragt, was passiert, wenn eine KI beginnt, Pflegeaufwand und Kosten gegeneinander aufzurechnen.
- Schauplatz: Hamburg in naher Zukunft
- Zentrum der Handlung: eine ältere Frau und ihre Tochter
- Konflikt: Pflege per Roboter inklusive Sterbehilfe-Funktion
- Themen: Alter, Verantwortung, Selbstbestimmung
Die Regisseurin, die seit ihrem Durchbruch mit „Männer“ zu den bekanntesten deutschen Filmemacherinnen zählt, greift damit ein Thema auf, das weit über Deutschland hinaus relevant ist. „Frau Winkler verlässt das Haus“ ist kein Science-Fiction-Spektakel, sondern eine nahe Zukunftsvision, die gerade deshalb so verstörend wirkt, weil sie erschreckend plausibel erscheint.
Quelle: DW Deutsch