Alberta ringt mit Kanada
In der kanadischen Provinz Alberta wird heute über den Kurs der Separatisten abgestimmt. Umfragen sehen rund jeden vierten Stimmberechtigten für ein mögliches Unabhängigkeitsreferendum.

Foto: Government of Alberta / Wikimedia Commons, Public domain
In der westkanadischen Provinz Alberta steht heute eine politisch brisante Abstimmung an: Es geht um den möglichen Weg zu einem Unabhängigkeitsreferendum. Die ölreiche Region ist wirtschaftlich stark, zugleich wächst dort seit einigen Jahren eine noch junge Separatistenbewegung. Rückenwind bekam sie zuletzt durch die wirtschaftlichen Folgen des Zollstreits mit den USA.
Druck auf Carney wächst
Für Kanadas Premier Mark Carney kommt die Abstimmung in einer ohnehin angespannten Lage. Seit mehr als einem Jahr stemmt sich seine Regierung gegen die Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump. Während Carney laut Bericht auf breite Unterstützung im Land bauen kann, haben die wirtschaftlichen Belastungen separatistische Kräfte gestärkt — nicht nur in Alberta, sondern auch in Québec, wo zuletzt wieder die separatistische Parti Québécois an die Macht kam.
In Alberta ist die Bewegung vergleichsweise neu. Nach Einschätzung des Meinungsforschers Darrell Bricker gehört die Provinz zu den dynamischsten Regionen Kanadas: schnell wachsend, wirtschaftlich erfolgreich und ein wichtiger Treiber des nationalen Wachstums. Als Auslöser für den Zulauf zur Abspaltungsbewegung nennt er unter anderem die Corona-Einschränkungen sowie die Umwelt- und Klimapolitik unter Ex-Premier Justin Trudeau.
Nur ein Viertel — aber politisch heikel
Jüngste Umfragen deuten darauf hin, dass sich etwa jeder vierte Stimmberechtigte heute für ein Unabhängigkeitsreferendum aussprechen könnte. Das ist bemerkenswert, weil sowohl Carney als auch Albertas konservative Regierungschefin Danielle Smith eine Abspaltung klar ablehnen. Smith nutzt die Abstimmung aber offenbar auch, um in Ottawa mehr Entgegenkommen für ihre Provinz zu erzwingen.
- Abstimmung heute in Alberta
- Umfragen: rund 25 Prozent pro Referendums-Kurs
- Carney und Smith lehnen eine Abspaltung ab
- Zuspruch kam auch aus Trumps Umfeld
Besonders sensibel ist dabei der internationale Einfluss. Laut Bericht erhielt die Bewegung Unterstützung in sozialen Medien durch russische Einflussnahme sowie noch direkter aus dem Umfeld von Trump und der MAGA-Bewegung. Die Warnung aus Ottawa fällt deshalb deutlich aus: Carney verweist auf die Erfahrungen mit dem Brexit und bezeichnet die Hoffnung auf bessere Verhandlungsmacht durch Abspaltung als gefährliche Illusion.
Quelle: Tagesschau