Wut-Proteste gegen Wehrdienst
In Israel eskalieren Proteste ultraorthodoxer Juden gegen die nun auch für sie geltende Wehrpflicht. Tausende blockieren in Jerusalem Straßen, während Premier Benjamin Netanjahu vor den Wahlen unter Druck gerät.

In Jerusalem haben tausende ultraorthodoxe Juden gegen die neue Wehrpflicht für ihre Gemeinschaft protestiert. Männer in schwarzen Mänteln und weißen Hemden blockierten Straßen, verbrannten israelische Flaggen, beteten lautstark und gerieten mit der Polizei aneinander. Hintergrund ist eine grundlegende Änderung: Nach Urteilen des Höchsten Gerichts gelten langjährige Ausnahmen für die Haredim nicht mehr.
Für viele Demonstranten ist der Militärdienst mehr als nur eine politische Frage. Sprecher Israel Tropper erklärte, aus ihrer Sicht bedeute der Eintritt in die Armee einen Angriff auf ihren religiösen Lebensstil. Die Angst vor einer erzwungenen Anpassung treibt den Widerstand an. Aus den Reihen der Ultraorthodoxen kommt deshalb die klare Ansage, dass ein solches Gesetz gegen den Willen von 80.000 Betroffenen nicht durchsetzbar sei.
Rabbiner verschärfen den Konflikt
Der Widerstand wird auch von führenden religiösen Autoritäten befeuert. Rabbiner rufen junge Männer offen dazu auf, Einberufungsbefehle nicht zu befolgen. Der frühere sephardische Oberrabbiner Jitzchak Josef stellt das Tora-Studium über den Militärdienst und begründet damit, warum viele Gläubige sich als Teil einer geistlichen Verteidigung Israels verstehen.
- Das Höchste Gericht kippte bisherige Sonderregelungen.
- Die Armee kämpft laut Bericht mit akutem Personalmangel.
- Die Opposition fordert Wehrgerechtigkeit für alle.
Heikles Thema vor der Wahl
Politisch ist die Lage brisant. Nach fast drei Jahren belastender Mehrfrontenkriege wächst in der säkularen Mehrheit das Unverständnis über die bisherigen Ausnahmen. Auch wirtschaftlich steigt der Druck. Oppositionspolitiker wie der frühere Generalstabschef Gadi Eisenkot verlangen einen nationalen Dienst für alle Bürger, ausdrücklich auch für ultraorthodoxe Juden und arabische Israelis.
Für Premier Benjamin Netanjahu kommt der Streit zur Unzeit. Das Thema Wehrpflicht könnte im Wahlkampf zur Belastung werden, weil es Gesellschaft, Religion und Sicherheitslage gleichzeitig berührt. Die Proteste auf Jerusalems Straßen zeigen schon jetzt, wie explosiv dieser Konflikt geworden ist.
Foto: Wikimedia Commons / Αντώνης Σαμαράς Πρωθυπουργός της Ελλάδας, CC BY-SA 2.0