Wut nach Todesfällen in Tunesien
In Tunesien sind nach dem Tod von Festgenommenen in mehreren Städten Proteste eskaliert. Im Vorort Ettadhamen bei Tunis setzte die Polizei Tränengas ein, während auch in Sfax Studenten gegen schlechte Versorgung demonstrierten.

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In Tunesien haben mehrere Todesfälle nach Einsätzen oder Kontakten mit Sicherheitskräften neue Proteste ausgelöst. Besonders angespannt war die Lage im Vorort Ettadhamen bei Tunis: Dort gingen Sicherheitskräfte am späten Abend mit Tränengas gegen Demonstrierende vor. Zuvor waren Straßen blockiert, Reifen angezündet und Polizisten mit Steinen attackiert worden.
Auslöser der Unruhen war der Tod eines Mannes, der wegen des Verdachts auf Drogenhandel festgenommen worden war. Seine Familie macht Polizeigewalt für seinen Tod verantwortlich. Lokale Medien stellten dagegen eine andere Version in den Raum und berichteten, der Mann habe Drogen geschluckt. Eine offizielle Klärung dieser widersprüchlichen Angaben geht aus den Berichten bislang nicht hervor.
Unruhen auch außerhalb der Hauptstadt
Die Spannungen beschränken sich nicht auf den Großraum Tunis. Auch in anderen Teilen des Landes kam es zu Zusammenstößen zwischen Bevölkerung und Polizei. Im südlich gelegenen Jebeniana protestierten Menschen, nachdem laut Angehörigen ein Mann bei einer Verfolgungsjagd mit Sicherheitskräften ums Leben gekommen war. Ähnliche Ausschreitungen wurden zudem aus Agareb gemeldet.
- Ettadhamen: Proteste nach dem Tod eines Festgenommenen
- Jebeniana: Unruhen nach tödlicher Verfolgungsjagd
- Sfax: Studentenproteste wegen mangelhafter medizinischer Versorgung
Krise verschärft die Lage
In der Küstenstadt Sfax gingen außerdem Studenten und Studentinnen auf die Straße. Hintergrund war der Tod einer Studentin mit Herzproblemen. Die Demonstrierenden warfen den Behörden eine unzureichende medizinische Versorgung vor und riefen zu einem Streik an den Universitäten der Stadt auf.
Die neuen Proteste treffen Tunesien in einer ohnehin heiklen Phase. Das Land steckt in einer wachsenden wirtschaftlichen, sozialen und politischen Krise. Viele Menschen leiden unter schlechteren Lebensbedingungen und schwachen öffentlichen Dienstleistungen. Erst am vergangenen Samstag hatten in Tunis Tausende gegen Präsident Kais Saied demonstriert und ihm vorgeworfen, Demokratie und Wirtschaft des Landes weiter zu beschädigen.
Quelle: ORF