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Politik19. Juli 2026, 19:01 Uhr · von Redaktion

Wut nach Beben wächst

Nach den schweren Erdbeben in Venezuela wächst der Zorn auf die Regierung. In Catia La Mar machen Betroffene den staatlichen Wohnungsbau mitverantwortlich, während offiziell mehr als 5.000 Tote gemeldet werden.

Wut nach Beben wächst

Gut drei Wochen nach den verheerenden Doppelbeben in Venezuela schlägt Trauer immer stärker in offene Wut um. In Catia La Mar stellte sich eine Mutter vor die Trümmer ihres eingestürzten Wohnblocks und machte der Regierung vor laufender Kamera schwere Vorwürfe. Die Frau, Damely Díaz, hatte bei dem Erdbeben ihre Tochter verloren.

Besonders brisant: Adressat ihrer Kritik war Nicolás Maduro Guerra, Abgeordneter der Regierungspartei und Sohn des im Januar 2026 gestürzten Ex-Präsidenten Nicolás Maduro. Eine so direkte öffentliche Konfrontation mit einem Regierungsvertreter ist in Venezuela ungewöhnlich. Umso bemerkenswerter war, dass Maduro Guerra der Mutter nicht widersprach, sondern erklärte, er könne ihren Zorn nachvollziehen.

Sozialwohnungen geraten in den Fokus

Im Zentrum der Vorwürfe steht der staatliche Wohnungsbau. Viele Familien im schwer getroffenen Bundesstaat La Guaira waren schon nach den Schlammlawinen von 1999 in Sozialwohnungen der Regierung untergebracht worden. Nun haben etliche erneut alles verloren. Bewohner berichten laut Quelle seit Jahren von Problemen mit der Bausubstanz.

  • Die Wohnanlagen gehören zur Misión Vivienda
  • Das Programm gilt als wichtiges Sozialprojekt des Chavismus
  • Seit Jahren gibt es Kritik an Bauqualität, Wartung und Kontrollen

Ob einzelne Gebäude tatsächlich wegen Baumängeln einstürzten, ist bisher nicht abschließend geklärt. Trotzdem setzen die schweren Schäden an vielen staatlichen Wohnanlagen die Regierung zusätzlich unter Druck. Interimspräsidentin Delcy Rodriguez kündigte weitere Schritte für den Wiederaufbau an. Gemeinsam mit privaten Firmen sollen in La Guaira neue erdbebensichere Häuser entstehen. Außerdem gilt laut staatlicher Nachrichtenagentur ein Exportverbot für Baumaterial, damit mehr Material im Land bleibt.

Tausende Tote, viele Fragen offen

Das ganze Ausmaß der Katastrophe wird erst nach und nach sichtbar. Nach offiziellen Angaben kamen inzwischen mehr als 5.000 Menschen ums Leben. Zur Zahl der Vermissten nennt die Regierung weiter keine Angaben. Eine privat eingerichtete Datenbank geht von rund 30.000 Vermissten aus. Auf dem Friedhof La Esperanza in La Guaira stehen bereits Reihen weißer Kreuze; auf vielen fehlt ein Name, stattdessen verweisen QR-Codes auf die Daten bislang nicht identifizierter Opfer.

Foto: Wikimedia Commons / Eneas De Troya from Mexico City, México, CC BY 2.0