Wirbel um Danger Dans ZDF-Aus
Danger Dan wurde kurz vor der 100. Ausgabe von „Die Anstalt“ vom ZDF ausgeladen. Der Sender verteidigt den Schritt, räumt aber Fehler beim späten Timing ein.

Der Streit um Danger Dan und das ZDF zieht weitere Kreise: Der Rapper sollte gemeinsam mit Pianist Igor Levit sein neues Lied „Keine Angst“ in der 100. Ausgabe der Satiresendung „Die Anstalt“ spielen. Kurz vor der Aufzeichnung sagte der Sender den Auftritt jedoch ab. Danger Dan machte die Entscheidung anschließend auf Instagram öffentlich und sprach von einem Eingriff in die Meinungs- und Kunstfreiheit. Danach folgte deutliche Kritik aus dem Netz – und auch aus dem Umfeld der Sendung selbst.
Sender hält an Entscheidung fest
Inzwischen hat sich ZDF-Intendant Norbert Himmler in der „Süddeutschen Zeitung“ geäußert. Er verteidigt die Ausladung in der Sache, gesteht aber Fehler beim Ablauf ein. Nach Angaben des Senders sei der Song intensiv geprüft worden, auch auf Führungsebene. Am Ende habe man die geplante Live-Performance als nicht vereinbar mit den Programmrichtlinien bewertet. Himmler räumte ein, diese Grundsatzfrage hätte viel früher geklärt werden müssen – idealerweise noch vor der Einladung.
Uneinigkeit gibt es auch bei der Bewertung des Songs selbst. Danger Dan sieht in „Keine Angst“ einen Aufruf, sich Nazis und Faschismus entgegenzustellen und antifaschistische Strukturen aufzubauen. Gewalt lehne er ab. Himmler bewertet das Lied dagegen deutlich schärfer und sieht darin eine Anleitung zu linkem, gewaltbereitem Widerstand. Genau an dieser Frage entzündet sich nun die Debatte.
Kritik aus Fernseh- und Sendungsumfeld
Widerspruch kam nicht nur von Fans. Auch Mitglieder des ZDF-Fernsehrats meldeten sich mit einem offenen Brief zu Wort. Darin heißt es, der Sender habe eine Chance verpasst, eine wichtige Debatte über Rechtsextremismus und den Umgang damit anzustoßen. Zudem kritisieren die Unterzeichner, das ZDF habe der Redaktion von „Die Anstalt“ zu wenig Vertrauen entgegengebracht.
- Danger Dan kritisiert die Absage als Eingriff in Kunst- und Meinungsfreiheit.
- Das ZDF beruft sich auf Programmrichtlinien.
- „Die Anstalt“ nennt die Entscheidung mutlos und distanziert sich davon.
Auch das Team von „Die Anstalt“ ging auf Distanz zum Sender. Die Redaktion erklärte auf Instagram, man halte es für eine öffentlich-rechtliche Aufgabe, ein solches Lied zu zeigen und darüber zu diskutieren. Damit ist klar: Der Fall ist längst mehr als nur eine abgesagte Performance – er ist zur Grundsatzdebatte über Kunstfreiheit, Senderverantwortung und politische Deutung geworden.
Foto: Wikimedia Commons / Frank Schwichtenberg, CC BY-SA 3.0