JETZT LIVE
Politik24. Oktober 2026, 07:02 Uhr · von Redaktion

Wahlkampf tobt im Netz

In Brasilien könnte vor der Stichwahl die Macht der sozialen Netzwerke entscheiden. Während Flávio Bolsonaro digital stark aufgestellt ist, versucht Lula mit einem millionenstarken Online-Heer den Rückstand aufzuholen.

Wahlkampf tobt im Netz

Foto: Wikimedia Commons / The White House, Public domain

Brasiliens Präsidentschaftswahl wird nicht nur auf Straßen und Plätzen entschieden, sondern längst auch auf dem Smartphone. Vor der Stichwahl spielt die Frage, wer die sozialen Netzwerke besser beherrscht, eine zentrale Rolle. Besonders das Lager von Flávio Bolsonaro gilt online als schlagkräftig, doch die Linke versucht jetzt, mit aller Kraft digital aufzuholen.

Lulas Team setzt auf Online-Mobilisierung

Zwei Tage nach dem ersten Wahlgang, am 7. Oktober, traf sich in Brasília eine Gruppe junger, netzaffiner Abgeordneter der Arbeiterpartei mit Präsident Lula da Silva. Noch am selben Tag entstand unter Führung des Abgeordneten André Janones das „Exercito do Lula“ – also „Lulas Armee“. Die Idee: digitale Flashmobs auslösen, Hashtags pushen und Unterstützer als Multiplikatoren einsetzen.

Der Erfolg lässt sich in Zahlen messen: Bis Freitag zählte die Gruppe laut Bericht bereits mehr als 9,5 Millionen Mitglieder. Das zeigt, wie ernst die Linke den digitalen Wahlkampf inzwischen nimmt. Denn genau dort hatte sie bislang deutliche Schwächen.

  • Gründung des Online-Netzwerks direkt nach dem ersten Wahlgang
  • Fokus auf Hashtags, Trends und schnelle Mobilisierung
  • Millionenreichweite als Gegenstrategie zur Rechten

Rechte war im Netz lange voraus

Ein Problem für Lula: Der bald 81-Jährige besitzt laut Bericht kein persönliches Handy, sein erstes Selfie entstand erst im laufenden Wahlkampf. Auf der anderen Seite veröffentlicht Bolsonaro regelmäßig Videos. Auch bei Reichweite und digital bekannten Gesichtern hatte die Arbeiterpartei bisher Nachholbedarf.

Eine Ausnahme ist die 21-jährige Ana Elisa, die mit fünf Millionen Followern zur jüngsten Abgeordneten Brasiliens gewählt wurde. Sie steht für eine neue linke Online-Strategie: nah am Alltag, direkt im Austausch mit den Wählern und mit einer klaren politischen Erzählung. Kommunikationswissenschaftlerin Carolina Terra betont, dass die Rechte viel früher verstanden habe, welche Inhalte in sozialen Netzwerken funktionieren – vor allem kurze, emotionale und stark zuspitzte Clips. In einem Land, in dem soziale Medien für viele längst wichtigste Informationsquelle sind, könnte genau das am Ende wahlentscheidend werden.

Quelle: Tagesschau