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Musik & Film28. Juli 2026, 19:00 Uhr · von Redaktion

Wagner-Kracher in Bayreuth

Bei den Bayreuther Festspielen ist Wagners „Rienzi“ erstmals zum 150. Jubiläum gezeigt worden. Die umstrittene Oper wurde in einer aktuellen Inszenierung als Geschichte über Populismus, Überwachung und den Weg in die Diktatur gelesen.

Wagner-Kracher in Bayreuth

Richard Wagners „Rienzi“ ist erstmals bei den Bayreuther Festspielen zu sehen gewesen – ausgerechnet zum 150. Jubiläum. Schon vor der Premiere war die frühe Oper heftig diskutiert worden. Ein Grund: das Werk gilt wegen seiner Nähe zur NS-Rezeption als stark belastet, zudem zählte es zu den Lieblingsopern Adolf Hitlers.

Regisseurin Alexandra Szemerédy machte im Gespräch mit der DW deutlich, wie schwierig der Stoff sei. Gemeinsam mit Magdolna Parditka verlegte sie die Handlung aus dem Rom des 14. Jahrhunderts in eine beklemmende Gegenwart. Nach der Premiere gab es dafür viel Beifall, ebenso für die Sängerinnen und Sänger, Dirigentin Natalie Stutzmann und das Festspielorchester.

Vom Volkshelden zum Autokraten

Im Zentrum steht der Aufstieg und Fall des Volkstribuns Rienzi. In der neuen Deutung erkämpft er seine Macht nicht mit Waffen, sondern über eine demokratische Wahl. Doch nach einem Attentat der Aristokraten kippt die Lage: Aus dem Befreier wird ein Herrscher, der Gegner auf offener Straße erschießen lässt und sich immer tiefer in Machtwahn verliert.

  • erst demokratischer Aufstieg
  • dann Bündnis mit den Eliten
  • nach dem Anschlag Militärdiktatur
  • am Ende totaler Absturz

Warum das Stück heute wieder trifft

Die Inszenierung zeigt eine Welt aus grauen Betonbauten, offenen Fenstern und Monitoren in jeder Wohnung. Alle sehen dieselben Nachrichten, vieles läuft zusätzlich über Handys und soziale Medien. So entsteht das Bild eines Überwachungsstaats, in dem jeder alles über den anderen weiß. Genau darin liegt die aktuelle Wucht des Abends: Er erzählt, wie Massen begeistert, gelenkt und schließlich in autoritäre Systeme geführt werden können.

Gerade deshalb blieb die Aufführung umstritten. Der Musik- und Theaterwissenschaftler Anno Mungen hatte es laut DW als geschichtsvergessen kritisiert, dass ausgerechnet „Rienzi“ nun in Bayreuth auf dem Spielplan steht. Die Premiere zeigte jedoch, warum das Werk weiter Debatten auslöst: nicht trotz seiner Belastung, sondern auch wegen seiner beklemmenden Nähe zur Gegenwart.