Wacken zwischen Acker und Millionen
Das Wacken Open Air 2026 bleibt im schleswig-holsteinischen Dorf verwurzelt, ist wirtschaftlich aber längst ein globales Geschäft. 85.000 Fans feiern auf rund 400 Hektar Land, während hinter dem Festival internationale Investoren stehen.

Wenn die 85.000 Metal-Fans wieder abgereist sind, kehrt in Wacken erst einmal der Alltag zurück: Dann übernehmen im kleinen Ort in Schleswig-Holstein wieder Anwohner, Landwirte – und die Kühe auf den Weiden. Doch genau dieser Kontrast macht das Wacken Open Air seit Jahren so besonders: Auf dem Dorfacker entsteht für wenige Tage ein Festival von Weltrang.
Die Fläche dafür ist riesig. 19 Landwirten gehört das rund 400 Hektar große Gelände, auf dem während des Festivals Ausnahmezustand herrscht. Für manche Bauern ist das Geschäft so attraktiv geworden, dass sie ihre Bewirtschaftung daran angepasst haben. Einer von ihnen ist Sönke Trede: Auf Teilen seines Landes wurde Ackerbau durch Grasnarbe ersetzt, damit Autos die Flächen besser befahren können.
Wenn Metal auf Landwirtschaft trifft
Selbst nach dem Festival bleibt Wacken ein sehr praktischer Ort. Denn auf den Wiesen landen trotz gründlicher Suche immer wieder Zeltheringe, Nägel oder scharfe Dosenlaschen. Das kann für Weidetiere gefährlich werden. Ein Landwirt aus Wacken berichtet deshalb von einer ungewöhnlichen Vorsorge: Die Kühe tragen Magnete im Magen, die Metallteile binden und so Schäden oft verhindern.
- Festivalgelände: rund 400 Hektar
- Eigentümer: 19 Landwirte
- Besucherzahl: 85.000 Fans
Vom Dorfprojekt zum internationalen Geschäft
Wacken ist längst mehr als ein traditionsreiches Metal-Treffen. Die Gründer Holger Hübner und Thomas Jensen verkauften 2019 55 Prozent ihrer Anteile an den britischen Festivalkonzern Superstruct Entertainment. Dieser ging 2024 wiederum für rund 1,3 Milliarden Euro an den US-Investor KKR. Einer Schätzung des vom NDR zitierten Finanzexperten Stefan Loipfinger zufolge sollen Hübner und Jensen für ihren Anteilsverkauf gemeinsam mindestens 40 Millionen Euro erhalten haben.
Damit bewegt sich das Wacken Open Air heute zwischen Dorftradition und internationalem Kapital. Entstanden ist es 1990 als Feier auf dem Land, inzwischen ist es eine weltweit bekannte Marke. Der Kern der Geschichte bleibt aber derselbe: Ein kleines Dorf wird jedes Jahr für ein paar Tage zum Zentrum der Metal-Welt.