USA-Jubiläum mit Warnsignal
250 Jahre nach der Unabhängigkeit feiern die USA ihre Grundideen – doch ein Historiker sieht die Demokratie unter Druck. Vor allem bei Bildung, Beteiligung und Wahlengagement warnt er vor gefährlichen Lücken.

Zum 250. Unabhängigkeitstag der Vereinigten Staaten mischt sich zur Feierlaune auch Sorge. Daran erinnert der Historiker John A. Ragosta, der sich seit Jahren intensiv mit Thomas Jefferson und James Madison beschäftigt. Aus seiner Sicht bleibt der 4. Juli ein Datum, an dem die Grundideen der USA gewürdigt werden müssen – gleichzeitig sieht er die Demokratie heute so stark herausgefordert wie lange nicht.
Ragosta verweist auf den revolutionären Kern der amerikanischen Gründung: Die Vorstellung, dass Menschen unabhängig von Herkunft, Sprache, Religion oder sozialem Stand durch gemeinsame Prinzipien verbunden sind. Genau das habe die USA geprägt und weit über das Land hinaus Wirkung entfaltet. Doch für ihn ist klar: Diese Prinzipien tragen nur, wenn jede Generation sie neu verteidigt und mit Leben füllt.
Demokratie braucht Einsatz
Besonders kritisch blickt der Historiker auf den Zustand der politischen Teilhabe. Er meint, die Gründerväter wären heute vor allem über mangelndes bürgerschaftliches Engagement beunruhigt. Dazu zählt er allgemeine Bildung, politische Bildung und die Beteiligung an Wahlen. Freiheit und Republik seien keine Selbstverständlichkeiten, sondern hingen davon ab, dass sich die Bürgerinnen und Bürger aktiv einbringen.
Auch die berühmte Formel vom „Streben nach Glück“ werde oft zu eng verstanden. Nach Ragostas Einordnung ging es Jefferson und seinen Zeitgenossen nicht nur um individuelles Fortkommen. Gemeint gewesen sei vielmehr ein Leben als Teil einer Gemeinschaft – mit Verantwortung, Mitwirkung und persönlicher Entfaltung innerhalb dieser Ordnung. Für die frühe amerikanische Republik sei entscheidend gewesen, dass Menschen am öffentlichen Leben teilnehmen.
Gerade darin sieht Ragosta heute Nachholbedarf. Wenn die demokratischen Grundsätze der Vereinigten Staaten erhalten bleiben sollen, brauche es mehr Verständnis für ihren eigentlichen Sinn – und mehr Bereitschaft, sie im Alltag zu verteidigen. Das Jubiläum ist für ihn deshalb nicht nur ein Anlass zum Feiern, sondern auch ein Weckruf.