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Musik & Film18. August 2026, 09:01 Uhr · von Redaktion

Trash-Film wird Kult-Hit

Der chinesische Animationsfilm „Niu Lai“ galt erst als billiger Trash – jetzt ist er überraschend ein Kinohit. Nach einer Debatte im Netz schoss das Einspiel auf über 11,4 Millionen Yuan.

Trash-Film wird Kult-Hit

Foto: Gobierno de China, N.L / Wikimedia Commons, Public domain

Was erst wie ein schräger Internetwitz wirkte, ist in China plötzlich ein echter Kinoerfolg: Der Animationsfilm „Niu Lai“ hat sich vom kaum beachteten Nischenprojekt zum Gesprächsthema entwickelt. Im Zentrum steht ein ängstliches Kalb, das einer Feldlerche in eine Traumwelt folgt und dort Lektionen fürs Leben lernt. Die ungewöhnliche Story und die bewusst oder unfreiwillig trashige Optik sorgten zunächst eher für Irritation als für Begeisterung.

Vom Flop zum Social-Media-Phänomen

In den ersten zehn Tagen nach dem Start am 5. August lief es für den von nur zwei Personen produzierten Film noch miserabel: Gerade einmal 7.705 Yuan kamen an den Kinokassen zusammen. Mitte August änderte sich das Bild komplett. In chinesischen sozialen Netzwerken entbrannte eine Debatte über Handlung und Stil, die den Film schlagartig bekannt machte. Die Folge: Kinos erhöhten die Zahl der täglichen Vorführungen auf das Zehnfache.

Der Effekt war enorm. Innerhalb weniger Tage spielte „Niu Lai“ laut ORF bereits 11,4 Millionen Yuan ein, also rund 1,5 Millionen Euro. Damit konnte der Film laut BBC sogar neben großen Hollywood-Titeln wie „The Odyssey“ und „Spider-Man: Brand New Day“ bestehen. Online wurde der Ton ebenfalls freundlicher: Manche feierten den Film als kurioses Muss, andere als ungewöhnliches Kunstwerk.

„Anti-KI“ oder einfach nur Dada?

Ein Teil des Publikums liest den Erfolg auch als Gegenreaktion auf glattgebügelte, KI-ähnliche Massenware im Netz. Auf Plattformen wie Letterboxd und Weibo bezeichneten User den Film teils als „Anti-KI-Vorreiter“ oder lobten ihn als echte Handarbeit. Der Hype kam dabei völlig ohne klassische Werbemaschine aus:

  • keine offizielle Werbekampagne
  • kein veröffentlichter Trailer
  • teilweise selbst gemalte Kinoplakate
  • Produktionskosten laut Bericht: bis zu 1.600 Yuan

Ganz ohne Gegenwind bleibt der Überraschungshit aber nicht. Die staatliche Zeitung „Beijing News“ warnte, Kinos könnten mit Filmen wie „Niu Lai“ das Vertrauen des Publikums aufs Spiel setzen. Die Sorge: Wenn offensichtlich schwach produzierte Werke auf die Leinwand kommen, könnten die Erwartungen an Qualität weiter sinken. Im Netz sehen das manche Zuschauer jedoch genau anders – und feiern den Film gerade wegen seiner rohen, eigenwilligen Machart.

Quelle: ORF