Tote nach neuer Angriffswelle
Kurz vor dem NATO-Gipfel in der Türkei hat Russland die Ukraine in der Nacht erneut massiv angegriffen. In Kiew und Vororten wurden laut Behörden und Medien mindestens neun Menschen getötet und 46 weitere verletzt.

Wenige Stunden vor dem NATO-Gipfel in der Türkei ist die Ukraine in der Nacht erneut Ziel einer schweren russischen Angriffswelle geworden. In nahezu allen Regionen des Landes wurde Luftalarm ausgelöst, aus Kiew meldeten Behörden und Medien heftige Explosionen. Nach bisherigen Angaben kamen dabei mindestens neun Menschen ums Leben, weitere 46 wurden verletzt.
Besonders hart traf es nach den Berichten die Hauptstadt und ihre Vororte. In mehreren Stadtteilen wurden Wohnhäuser beschädigt. Ein Plattenbau stürzte demnach teilweise ein, mitten im Gebäude entstand ein riesiges Loch. Unter den Trümmern werden weitere Verschüttete befürchtet. Das Nachrichtenportal The Kyiv Independent berichtete zudem, dass Tausende Menschen in U-Bahn-Stationen Schutz suchten.
Angriffe kurz vor Gipfeltreffen
Der Zeitpunkt der Attacken sorgt für zusätzliche Brisanz: Bereits am Abend zuvor hatte Wolodymyr Selenskyj vor einer neuen Welle russischer Luftangriffe unmittelbar vor Beginn des NATO-Gipfels in Ankara gewarnt. Er berief sich dabei auf Informationen des ukrainischen Geheimdienstes. Selenskyj warf Russlands Präsident Wladimir Putin vor, bewusst vor dem Treffen noch mehr Zerstörung und Tote in Kauf zu nehmen.
- Luftalarm in fast allen Regionen der Ukraine
- Einschläge in Kiew und im Umland gemeldet
- Wohngebäude beschädigt, ein Wohnblock teils eingestürzt
- Viele Menschen flohen in U-Bahn-Stationen
Appell an die Partner
Nach ukrainischen Angaben wurden in der Nacht neben zahlreichen Drohnen auch Dutzende Marschflugkörper und Raketen eingesetzt. Selenskyj forderte die Partner seines Landes deshalb erneut zu schnellerer Hilfe auf. Vor allem Verzögerungen bei Raketen für die Flugabwehr und bei Patriot-Systemen würden Menschenleben kosten und Russland im Krieg bestärken, sagte der Präsident.
Am Rande des NATO-Gipfels in der Türkei ist unterdessen auch ein Gespräch zwischen US-Präsident Trump und Selenskyj geplant. Die neue Angriffsnacht dürfte die Beratungen in Ankara nun zusätzlich überschatten.
Foto: Wikimedia Commons / Steffen Prößdorf, CC BY-SA 4.0