Ticketschock bei Konzerten
Konzertkarten werden immer teurer: Laut Branche liegen die Preise heute rund 30 Prozent über dem Niveau vor der Pandemie. Vor allem VIP-Modelle, dynamische Preise und ein Markt mit wenigen großen Anbietern treiben die Entwicklung.

Ein Konzertabend wird für viele Fans zunehmend zum Luxus. Besonders in den USA zahlen Besucherinnen und Besucher teils sogar Tausende Dollar für begehrte Shows. Aber auch in Deutschland ziehen die Preise spürbar an. Selbst große Stadiontouren heimischer Stars kosten heute deutlich mehr als noch vor wenigen Jahren.
Nach Angaben des Bundesverbands der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft sind Konzerttickets heute rund 30 Prozent teurer als vor der Corona-Pandemie. Gleichzeitig gewinnt das Live-Geschäft für Musikerinnen und Musiker weiter an Bedeutung. Denn während Streaming vor allem Reichweite bringe, werde das eigentliche Geld oft auf Tour verdient, erklärt die Würzburger Expertin für digitale Kommunikation in der Musik- und Entertainmentindustrie, Nicolas Ruth.
VIP, Nachfrage, Algorithmus
Ein wichtiger Treiber sind gestaffelte Preismodelle. Veranstalter verkaufen zunehmend besonders teure VIP-Tickets für Fans, die ihrem Star möglichst nah sein wollen. Dazu kommt immer häufiger sogenanntes dynamisches Pricing: Der Preis verändert sich je nach Nachfrage. Wer besonders begehrte Karten kaufen möchte, zahlt am Ende oft deutlich mehr als zunächst erwartet.
- VIP-Tickets mit Aufschlägen für exklusive Plätze oder Extras
- Dynamische Preise, die per Algorithmus an die Nachfrage angepasst werden
- Steigende Produktionskosten für Transport und Technik
Nach Einschätzung von Ruth wirkt dieses System auf viele Fans intransparent und nicht immer fair. Aus Sicht der Veranstalter sei der Schritt aber nachvollziehbar: Sie wollten die hohe Zahlungsbereitschaft direkt selbst abschöpfen, statt dass das Geld später auf dem Zweitmarkt landet.
Wenige Große, viele Probleme
Hinzu kommt eine zunehmende Konzentration im Markt. In Deutschland prägen vor allem die börsennotierten Unternehmen Livenation und CTS Eventim das Geschäft. Für kleinere Anbieter und Festivals wird es dadurch schwieriger, mitzuhalten. Während viele große Konzerte ausverkauft sind und Festivals grundsätzlich gefragt bleiben, kämpfen kleine Veranstaltungen laut Bericht zunehmend ums Überleben.
Foto: Wikimedia Commons / OakleyOriginals, CC BY 2.0