JETZT LIVE
Musik & Film17. August 2026, 09:00 Uhr · von Redaktion

Thin Lizzy ganz am Anfang

Das Debüt von Thin Lizzy erscheint als Deluxe Edition neu. Die Ausgabe sammelt die Aufnahmen der Jahre 1970/71, Alternativversionen und einen zusätzlichen Mix – und zeigt eine Band voller Talent, die ihren großen Wurf noch suchte.

Thin Lizzy ganz am Anfang

Thin Lizzy bekommen eine umfangreiche Rückschau auf ihre frühen Jahre: Das Debütalbum „Thin Lizzy“ ist jetzt als Deluxe Edition neu aufgelegt worden. Die Sammlung blickt auf die Aufnahmen von 1970/71 und damit auf eine Phase, in der die irische Band zwar schon auffiel, ihren charakteristischen großen Wurf im Studio aber noch nicht ganz gefunden hatte.

Die Geschichte beginnt 1969 in Dublin: Phil Lynott und Brian Downey hatten sich mit ihrer Band Orphanage bereits in den Clubs der Stadt einen Namen gemacht, bevor Gitarrist Eric Bell dazustieß. Mit neuem Namen und Unterstützung ihres Managements landete die Gruppe schnell bei Decca. Für das Debüt ging es nach London, wo das Album in kurzer Zeit entstand. Lynott verfolgte dabei eine klare Idee: die alte irische Liedtradition mit damaligen Strömungen wie elektrischem Folk, Blues und Psychedelic Rock zu verbinden.

Zwischen Folk-Idee und Gitarrenrausch

Schon der Opener „The Friendly Ranger At Clontarf Castle“ zeigt diese wilde Mischung: verspielt, entrückt und stark von der psychedelischen Stimmung der Zeit geprägt. Gleichzeitig lässt sich hören, wohin die Reise instrumental gehen könnte. Vor allem Eric Bell setzt mit seiner an Cream und der Jimi Hendrix Experience geschulten Spielweise frühe Ausrufezeichen. Auch Downey wird als Schlagzeuger mit Druck, Spielfreude und Sinn für feine Akzente greifbar.

Trotz guter Live-Reputation und Unterstützung durch Radio-DJs wie Stuart Henry und John Peel blieb der kommerzielle Durchbruch zunächst aus. Das Album verkaufte sich nur mäßig, die kurz darauf veröffentlichte EP „New Day“ praktisch gar nicht. Der Grund liegt laut Einschätzung des Ausgangstextes weniger am fehlenden Können als an den Songs: Viel Talent ist da, aber noch zu wenig davon verdichtet sich zu wirklich einprägsamen Stücken.

Was in der neuen Ausgabe steckt

  • alle bekannten Aufnahmen der Jahre 1970/71
  • mehrere Alternativversionen
  • ein zusätzlicher Mix von Richard Whittaker
  • ein reich bebildertes Begleitbuch

Damit ist die neue Edition vor allem eine luxuriöse Bestandsaufnahme einer Band im Werden. Sie dokumentiert eindrucksvoll, wie viel in Lynott, Bell und Downey schon steckte – auch wenn das Debüt selbst eher als faszinierende Talentprobe denn als vollendetes Meisterwerk gilt.

Foto: jungewelt

Quelle: jungewelt